Karl Schott (1897-1969) – Neuburger Faltbootpionier, Sozialdemokrat, Nazi-Gegner

Von | 31. Oktober 2026

 

Karl Schott im Hafen von Beirut 1925

 

Karl Schott ist mit Sicherheit eine der interessantesten Persönlichkeiten des Neuburger Sports und der Neuburger Arbeiterbewegung, die zu Unrecht weitgehend vergessen wurde. Frühzeitig Mitglied der Neuburger SPD, war er später auch im „Reichsbanner“ aktiv, einer Selbstschutzorganisation der Sozialdemokraten während der Weimarer Republik.

Kari Schott wurde in das Uhrmachergeschäft seines gleichnamigen Vaters hineingeboren, der auch für die SPD aktiv war. Abenteuerlustig widmete er sich schon früh dem Faltbootsport, war Mitglied der Donau-Ruderclubs Neuburg und lngolstadt. Seine Fahrten führten ihn die Donau hinunter bis ins Schwarze Meer (1922), nach Konstantinopel (1923) und nach Ägypten (1924). Er war wohl der bekannteste deutsche Faltbootsportler seiner Zeit. In seiner Heimatstadt wurde er deshalb seinerzeit bisweilen auch als „Neuburgs Odysseus“ bezeichnet. Nach seiner Fahrt nach Ägypten widmete er sich schließlich dem Uhren- und Optikgeschäft seines Vaters.

Als aktiver Sozialdemokrat hatte er immer schon den Argwohn der Neuburger Nationalsozialisten auf sich gezogen. So wurde er 1933 mehrmals verhaftet, wieder freigelassen, dann 1934 erneut verhaftet und ins KZ Dachau eingeliefert. Nach seiner Entlassung emigrierte er aus Furcht vor weiterer Verfolgung mit seiner Frau zunächst in die Schweiz, dann weiter über Marseille nach Spanien, nach der  Machtübernahne des Diktators Franco schließlich nach Marokko. Wieder zurück in Spanien, wird er auch dort laufend überwacht und mehrmals verhaftet.

Sein Vater sah sich ohne Nachfolger und als bekannter Sozialdemokrat geschäftlich unter Druck gesetzt, und so verkaufte er sein Geschaft an Otto Burg. Nach dem Ende des Kriegs konnten Karl Schott und seine Ehefrau Gusti erst 1953 wieder nach Deutschland zurückkehren. Beide siedelten sich in Waldshut nahe der Schweizer Grenze an, wo sie ein privates, später durch einen Verein unterstütztes Tierasyl betrieben.

Von der politischen Entwicklung enttäuscht, hielt er nur wenige Kontakte nach Neuburg aufrecht. Die Verhandlungen um Wiedergutmachung zogen sich – wie in vielen Fällen – über Jahre hin. Schott starb 1969.

Barbara Zeitelhack, langjährige Leiterin des Stadtarchivs Neuburg, hat sich sehr für Karl Schott interessiert und konnte schließlich seinen Nachlass auffinden und für das Neuburger Stadtarchiv sichern. Ihre biografische Arbeit über das bewegte und zum Teil tragische Leben von Karl Schott und seiner Frau  haben wir mit freundlicher Genehmigung der Autorin auf paardon.de  online gestellt.

 

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