Ottheinrichs Reise von Neuburg nach Krakau 1536 – Reisebilder online

Neuburg 1536 (Universitätsbibliothek Würzburg, Bildausschnitt)

Ottheinrich · Topics (franconica.online)

 

Ottheinrichs Reise von Neuburg nach Krakau 1536 –

Reisebilder online

 Der Neuburger Künstler Viktor Scheck hat seine Reise 2004 nachempfunden

 

Am 27. November 1536 brach Ptalzgraf Ottheinrich nach Krakau auf, um beim dort residierenden polnischen König Sigismund einen Schuldschein einzulösen. Die wichtigsten Stationen der Reise wurden von einem bis heute unbekannten zeitgenössischen Künstler festgehalten und später koloriert. Diese 50 Aquarelle gehören für die meisten Orte zu den frühesten erhaltenen bildlichen Darstellungen. Die Originale dieser Ortsansichten befinden sich in der Universitätsbibliothek Würzburg und können inzwischen online abgerufen werden. Wir möchten als gut besuchte Homepage dazu beitragen, dass diese beeindruckenden Ortsansichten eine noch weitere Aufmerksamkeit bekommen.

 

Lange Zeit kaum beachtet

Jahrhunderte lang waren diese Ortsansichten kaum beachtet worden, sie lagen undatiert in der Würzburger Universitätsbibliothek. Bis Angelika Marsch, eine Expertin der historischen Bildkunde, die Aquarelle entdeckte und sie nach jahrelanger Arbeit – zusammen mit internationalen Experten – zunächst datieren und schließlich der Polenreise Ottheinrichs zuordnen konnte.

 

Grund und Ablauf der Reise

Grund für die Reise war die hohe Verschuldung Ottheinrichs. Er besaß aber einen Schuldschein über 32.000 Gulden, den er von seiner Großmutter geerbt hatte – eine Mitgift des polnischen Königs Kasimir IV. an seine Tochter Hedwig anlässlich der Hochzeit mit Georg dem Reichen von Landshut, die heute als „Landshuter Hochzeit“ bekannt ist und gefeiert wird. Also machte sich Ottheinrich auf den Weg, im Winter mit einem fünfzigköpfigen Gefolge eine Strapaze.

Die Verhandlungen in Krakau mit König Sigismund – dem Großonkel Ottheinrichs – waren nur zum Teil erfolgreich.  Nach dreiwöchigen Verhandlungen konnte Ottheinrich zwar die Auszahlung des Schuldscheins in acht Jahresraten erreichen, jedoch nicht – wie er erhofft hatte – mit Zinsen und Zinseszinsen.

Ursprünglich war die Rückreise wohl auf der gleichen Strecke geplant, ein diplomatischer Auftrag des polnischen Königs veranlasste ihn zu einer anderen Route – zurück über Frankfurt (Oder), Berlin, Wittenberg. Im Frühjahr 1837 kehrte Ottheinrich nach drei Monaten und rund 2.200 zurückgelegten Kilometern wieder nach Neuburg zurück.

 

Ottheinrichs Leben

Geboren 1502 im Amberg, erhielt Ottheinrich mit seinem Bruder Philipp das im Jahr 1505 neu geschaffene Fürstentum Pfalz-Neuburg, ein sehr zerklüftetes Herrschaftsgebiet mit oft nicht zusammenhängenden Gebieten um Neuburg und donauaufwärts und in der heutigen Oberpfalz. Nach ihrer Großjährigkeit 1522 regierten beide das Fürstentum gemeinsam, im Jahr 1535 wurde es geteilt. Im Jahr 1542 führte Ottheinrich in seinem Fürstentum die Reformation ein.

Ottheinrich pflegte einen prunkvollen Lebensstil, ließ die alte Burg in Neuburg zu einem repräsentativen Renaissance-Schloss umbauen, baute wenige Kilometer von Neuburg entfernt das Jagdschloss Grünau, investierte viel Geld in seine Sammlung von Büchern und Handschriften.

Ottheinrich lebte in seinem vergleichsweise kleinen Fürstentum weit über seine Verhältnissse. Im Jahr 1544 betrug die Schuldenlast über eine Million Gulden. So ergriffen die Landstände die Regierungsgewalt, Vertreter des Adels, des Klerus sowie der Städte und Märkte. Ottheinrich ging nach Heidelberg, kehrte später wieder nach Neuburg zurück und erhielt nach dem Tod seines Onkels 1556 die Kurpfalz mit der Residenzstadt Heidelberg und die Kurfürstenwürde, die er bis zu seinem Tod 1559 innehatte.

 

Bilder online

Inzwischen sind die Bilder von der Universitätsbibliothek Würzburg online gestellt worden. Die Bibliothek bietet einen „interaktiven“ Zugang zu den Bildern (Reiseroute, Bildorte, Bilder zum Download, Kommentare). Zugang  hier 

Dort finden sich auch nähere Informationen sowie wichtige Literaturhinweise.

 

Ortsansichten – Aquarelle der Reise

Neuburg bis Prag

Neuburg an der Donau  – Sandersdorf  – Riedenburg  – Burglengenfeld  – Schwandorf  – Nabburg  – Pfreimd  – Ehemaliger Pfrentschweiher  – Haid/Bor  – Mies/Stříbro  – Pilsen/Plzeň  – Beraun/Beroun

Prag bis Krakau

Prag/Praha – Nimburg/Nymburk – Jaromĕř – Nachod/Náchod Glatz/Kłodzko Ottmachau/Otmuchów Neisse/Nysa Zülz/Biała Oberglogau/Glogówek Cosel/Koźle Ujest/Ujazd Beuthen/Bytom Będzin

Krakau bis Berlin

Krakau/Kraków – Tost/Toszek – Oppeln/Opole – Brieg/Brzeg – Ohla/Oława – Breslau/Wrocław – Neumarkt/Środa Śląska – Liegnitz/Legnica – Polkwitz/Polkowice – Frankfurt an der Oder – Strausberg

Berlin bis Neuburg

Treuenbrietzen – Wittenberg – Bad Düben –  Leipzig –  Zeitz –  Gera –  Hof –  Vilseck – Sulzbach-Rosenberg – Kastl – Heideck – Eichstätt (– Neuburg)

 

Das Ottheinrich-Projekt von Viktor Scheck

Im Jahr 2004 machte sich der Neuburger Künstler Viktor Scheck auf den Weg nach Krakau. Er wollte Ottheinrichs Reise mit seinen künstlerischen Mitteln nachvollziehen, möglichst die Perspektive des historischen Künstlers finden – und so auch die enormen Veränderungen dokumentieren –  wobei sich einzelne  Ortsansichten noch erstaunlich gut erhalten haben.

Alle Orte der Ottheinrichreise wurden besucht und bildlich festgehalten.

Im Jahr 2005 fand seine Ausstellung im Rathausfletz des Neuburger Rathauses statt.

Mehr über Viktor Scheck, seine Biographie und Werke auch auf unserer Homepage hier

 

Viktor Scheck – Neuburg 2004

Literatur

Angelika Marsch: Zur Entdeckung der Reisebilder Pfalzgraf Ottheinrichs von seinem Ritt nach Krakau und Berlin 1536/37, in: Barbara Zeitelhack (Konzept und Redaktion): Pfalzgraf Ottheinrich. Politik, Kunst und Wissenschaft im 16. Jahrhundert, Regensburg 2002, S. 334-347

Reise, Rast und Augenblick – Mitteleuropäische Stadtansichten aus dem 16. Jahrhundert, Dettelbach 2002, 119 Seiten (Ausstellungskatalog der Universitätsbibliothek Würzburg 2002). – Das Buch, das alle Aqarelle der Ottheinrichreise in hochwertiger Druckqualität mit Beschreibungen und Kommentaren enthält, ist noch im Buchhandel und über Antiquariatsportale erhältlich.

Max Direktor: Eine Künstlerreise von Neuburg nach Krakau. Viktor Scheck ist im Augenblick auf den Spuren Ottheinrichs unterwegs., in: Neuburger Rundschau, 5. Juni 2004

Viktor Scheck: Reisebilder. Das Ottheinrich-Projekt 2003 bis 2005 (2011)