Klebend die Welt erkunden – Karl Stögers Collagen

Neue Schrobenhausen-Collagen von Karl Stöger

 

Bei diesem Text handelt es sich um eine Vernissagen-Rede, gehalten am 30. September 2023, anlässlich der Einzelaustellung von Karl Stöger im Schrobenhausener Pflegschloss-Museum.

 

Es geht los

Ich heiße Sie herzlich willkommen, freue mich namens des Ausstellers über Ihren Besuch und möchte Sie gleich beruhigen: Meine Rede wird kurz sein. Oft und lange genug habe ich mir bei Vernissagen die Beine in den Bauch gestanden, um zu wissen, was Besucher sich wünschen. Kürze!

Eines will ich schon gar nicht, die wunderschönen und wundersamen Bilderlebnisse, die auf Sie warten, wortreich zu zerreden. Deshalb nur fünf Anmerkungen, wobei ich gar nicht verhehlen will, dass meine Worte subjektiv sind. Über einen, mit dem man seit recht genau 40 Jahren befreundet ist, „objektiv“ zu sprechen, ist natürlich völlig unmöglich. – So, das war die erste Anmerkung.

 

 

Biografie

Karl Stöger ist einer, den es nach Schrobenhausen verschlagen hat. Zumindest für fast 25 Jahre. Als „Eingeborener“ war ich immer schon neugierig, welches Geschick – Beruf, Liebe, Zufall – Menschen nach Schrobenhausen schickt. Was Schrobenhausen mit ihnen macht und umgekehrt.

Um es kurz zu machen: Karl Stöger zählt für mich zu der eher seltenen Neubürger-Kategorie, die Schrobenhausen unaufdringlich und ohne dezidiertes Sendungsbewusstsein bereichert und beschenkt haben. Auf vielerlei Gebieten, aber vor allem künstlerisch und kulturell. Karl Stöger macht Bücher, Musik, Filme und – natürlich Collagen.

Geboren wurde Karl Stöger am 1. Dezember 1946 in München und durfte im damals ruhigen, noch nicht recht urbanen Stadtteil Allach zusammen mit mehreren Geschwistern in einer ausgesprochen kunstsinnigen Familie aufzuwachsen. Der Vater, von Beruf Architekt, war ein ebenso passionierter Zeichner wie Musiker in einem Streichquartett.

Karl Stöger machte zunächst eine Ausbildung als Schriftsetzer, die man seinen in Schrift und Gestaltung klassisch schönen Büchern in Typographie und Layout bis heute ansieht. Dann beschritt er den zweiten Bildungsweg, studierte Pädagogik, trat seine erste Stelle als Lehrer an, und 1983 – vor 40 Jahren, durfte sich Schrobenhausen darüber freuen, dass er an die Hauptschule versetzt wurde.

Sieben Jahren an der Hauptschule folgten 14 Jahren an der Grundschule. So hat fast eine Generation Schrobenhausener Schülerinnen und Schüler Stögersche Kreativität und Lebenssicht mit auf den Weg bekommen. Denn er war ein ungewöhnlicher Lehrer, wie Eltern und ehemalige Schüler bis heute betonen. Daneben engagierte sich Karl Stöger unter anderem im damals noch jungen „Eine-Welt-Laden“, spielte Bass im Günther-Schilling-Trio und eroberte sich seine neue Heimat Schrobenhausen mit – ja womit? – natürlich mit seinen Collagen.

2006 kehrte Karl Stöger in seine Heimatstadt München zurück und zog das große Los. Er bekam eine der begehrten Wohnungen in der berühmten denkmalgeschützten Wohnsiedlung Borstei an der Dachauer Straße im Stadtteil Moosach. Und da er kein Nehmender, sondern ein Gebender ist, veröffentlichte er seither mehrere Publikationen über die Borstei. Zudem betreut er das Borstei-Museum.

 

Collage – was ist das eigentlich?

Im Kunstbetrieb, den Geld und nicht Kreativität regiert, sind Collagen ein wenig randständig. Liegt es am Fehlen teurer Farben und goldener Rahmen, wie mal ein Kunsthistoriker gemeint hat? Im Zeitalter von Installation und Performance wohl kaum. Wie auch immer. Die Geschichte der Collage, wie sie in der Kunstgeschichte kanonisiert ist, geht auf das frühe 20. Jahrhundert zurück und beginnt gleich mit zwei großen Namen: Georges Braque und Pablo Picasso, die um 1910 begannen, auf gemalte Bilder Zeitungausschnitte oder auch Tapetenstücke aufzukleben und das Ergebnis „papier collé“ und schließlich schlicht „Collage“ zu nennen. „Collé“ und „Collage“ sind Ableitungen des französischen Verbs „coller“, das „leimen“ oder auch „kleben“ bedeutet. Im Deutschland machte sich der Maler und Dichter Curt Schwitters mit Collagen einen Namen, zeitbedingt dann einen so „schlechten“, dass er als „entarteter Künstler“ 1937 vor den Nationalsozialisten nach Norwegen emigrieren musste. Seine 1919 entstandene Collage „Das Undbild“ hängt heute in Paris im Centre Pompidou. Es gäbe noch eine ganze Reihe weiterer Namen zu nennen, aber wir sind ja hier nicht in der Volkshochschule.

Wie sich die Stadt verändert – wow! (Aha! Die Landesgartenschau!)

Es gibt Collagen, bei denen man den Eindruck gewinnt, der Künstler habe das halbe Sortiment eines durchschnittlichen Baumarkts verarbeitet. Karl Stöger hingegen ist ein Purist, ja ein Minimalist: Seine Collagen, also seine „Klebebilder“ zeichnen sich durch das „Stögersche Reinheitsgebot“ aus: Sie bestehen aus nur zwei Elementen, die noch dazu aus dem gleichen Stoff sind, nämlich bedrucktem Papier. Das gilt für alle, nahezu alle seiner Arbeiten. Wie Sie selber sehen werden.

Ich mache jetzt auch eine Collage, nämlich eine Rede-Collage. Und zitiere, wie Karl Stöger seine Arbeit im Mai 2001 anlässlich einer Einzelausstellung in Schrobenhausens Partnerstadt Bridgnorth beschrieben hat:

„Ich habe mir zur Auflage gemacht, hauptsächlich Bilder zu verwenden, die mir der Alltag auf den Schreibtisch spült: Postkarten, Prospekte, Zeitschriften, Kalender und sogar Hochglanzbildbände, die niemand mit einer Schere anzugreifen wagen würde, sind die Fundgruben für meine Collagen. Je größer das Chaos auf meinem Schreibtisch, umso besser. Bilder sind wie Leute: Es kommt darauf an, wen man trifft und mit wem man dann zusammen(k)lebt.“

Mehr als „Schere, Klebstoff und ein paar Bilder“ brauche es dazu nicht. Und wenn all das den Schreibtisch bevölkere, ist nach Karl Stögers Erfahrung das eigentlich schwierige, keine Collage zu machen. Denn die Bilder auf dem Schreibtisch würden sich wie von selbst zu „Kindern des Zufalls“ zusammenfinden. Eine Replik dieses magischen Schreibtischs finden Sie in dieser Ausstellung.

Das magische Moment will ich ja nicht völlig in Abrede stellen. Doch dass Perspektiven, Proportionen und Farbklänge harmonieren, ist schon dem Auge des Meisters geschuldet. Daneben braucht es noch die schöpferische Seele, um formal Verbundenes zu einem Inhalt, zu einer Botschaft zu verknüpfen, die gern auch sibyllinisch sein darf, einen großen Interpretationsraum öffnet und Spannung erzeugt.

 

SOB-Collagen

Alltag macht blind oder zumindest unaufmerksam. Wir gehen am Rathaus vorbei, aber sehen wir es? Wir hasten geschäftig über den Stadtwall, aber nehmen wir ihn wahr?

Karl Stögers Collagen können Schrobenhausenerinnen und Schrobenhausenern Schrobenhausen wieder näherbringen. Mal sind es die starken Kontraste der Collagen, mal die kleinen Nuancierungen, subtile Verfremdungen, die den Betrachtenden vermeintlich Wohlbekanntes mit neuen Augen sehen lassen und neue Erkenntnismöglichkeiten eröffnen. Und oft geht dieses Erkennen mit einem Schmunzeln einher. Drei Hauptmotive sind immer wieder präsent:

  • Das Rathaus und der Lenbachplatz
  • Der Stadtwall
  • Lenbachs Hirtenknabe

Das Schrobenhausener Rathaus vor wechselnden Hintergründen, mal exotisch, mal anheimelnd, mal dystopisch, zeigt uns, wo wir sein könnten, wo wir wirklich sind. Karl Stöger bietet auch architektonische Varianten des Rathauses. Mancher wird aufatmen: „Es hätte noch schlimmer kommen können!“

Was wäre Schrobenhausen ohne Stadtwall? Oder, fast noch spannender: Was wäre der Stadtwall ohne Schrobenhausen? Schauen Sie genau hin!

Der knapp 200 Jahre alte Hirtenknabe ist längst aus der Zeit gefallen und drängelt sich trotzdem immer wieder in das Schrobenhausen der Gegenwart. Will er was von uns? Oder wir von ihm?

Sogar Tagesgeschehen eignet sich dazu, auf einer Stöger-Collage interpretiert und manchmal auch glossiert zu werden. Sei es 1986 die Lenbach-Jubiläumsausstellung im Rathaus oder aktuell die Landesgartenschau.

Die Ausstellungsstücke, die Sie heute sehen, sind fast alle – bis auf ein Original hinter Glas – hochwertige Drucke. Denn die Schnittkanten und Kleberänder sind fragil, verführen dazu, die perfekten Übergänge mit dem Finger nachfahren, und schon ist es passiert …

Die Originale der insgesamt gut 200 Schrobenhausen-Collagen hat Karl Stöger dem Stadtarchiv vermacht. Hoffentlich wird dieses Schatzkästlein bewahrt, solange es sie noch gibt, diese unsere Welt.

 

 

Non-SOB-Collagen

Dass in einer Schrobenhausener Ausstellung Schrobenhausen-Collagen im Mittelpunkt stehen, ist nachvollziehbar. Doch umfasst diese Werkschau neben 57 Prozent Schrobenhausen auch 42 Prozent „Rest-der-Welt-Collagen“, wie Karl Stöger genau ausgerechnet hat. Diese 42 Prozent repräsentieren mehr als 2000 Collagen, die das Hauptwerk des Künstlers darstellen. Es gibt kein Thema zwischen Himmel und Erde, das vor seiner Schere sicher wäre. Glanz und Elend der Welt, des menschlichen Tuns und Erleidens, Witziges und Abgründiges, Botschaften und Rätsel vereinigen sich zu einem Collagen-Atlas der Erde.
Besonders ziehen Karl Stöger Gegensätze an.

  • Hart und weich
  • Gestern und heute
  • Sanft und grob
  • Natur und Maschinenwelt
  • Abstraktes und Gegenständliches
  • Teile und das Ganze

Oft dienen ihm berühmte Werke der Weltkunst als Grundlage von Umdeutungen und Adaptierungen. So zum Beispiel Marienbilder.

In einem kleinen, aber feinen Büchlein hat er sich jüngst mit der Evolution beschäftigt. Wie herrlich weit haben wir es doch gebracht!

Auch wenn bei uns Schrobenhausenern Schrobenhausen einen etwas größeren Platz auf dem Globus einnimmt als anderswo: Betrachten Sie sich diese Stögerschen Welt-Collagen bitte mindestens so intensiv wie seine „SOBiana“! Sie werden es nicht bereuen.

Klebend die Welt zu verändern zu wollen, ist heute en vogue. Klebend die Welt erkunden, ist Karl Stögers Weg.

  • Lassen Sie sich von Karl Stöger eine kleben!
  • Gehen Sie ihm vielleicht auch mal auf den Leim!
  • Genießen Sie diese Ausstellung!

Anmerkung: Bereits 1988 veröffentlichte Karl Stöger ein Collagen-Buch mit dem Titel Schrobenhausen in anderen Ansichten, das wir anlässlich der Ausstellung als Digitalisat präsentieren.


 




Der Collagenkünstler Karl Stöger

Karl Stöger wurde 1946 in Leipheim geboren. Und das ist ihm wichtig zu betonen: am 1. Dezember 1946, also am selben Tag, an dem der Freistaat Bayern wiedergeboren wurde, denn an diesem Sonntag wurde per Volksabstimmung die Bayerische Verfassung mit 70,6 % Ja-Stimmen angenommen. Nach dem Besuch der Volksschule in München legte er nach einer Lehre seine Gesellenprüfung als Schriftsetzer ab. Er machte sein Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg am Abendgymnasium Mainz und studierte anschließend Lehramt für Volksschulen an der Universität München. Von 1973 bis 2005 war er Lehrer an Grund- und Hauptschulen. Seit 1983 wohnte er in Schrobenhausen und war hier 7 Jahre lang Lehrer an der Haupt- und 14 Jahre lang an der Grundschule. Seit 2006 wohnt er in der Borstei in München, betreut dort das Borsteimuseum und hat verschiedene Veröffentlichungen über die Borstei verfasst.

Schon früh beschäftigte sich Karl Stöger künstlerisch mit der Collagenkunst, sein Lebenswerk umfasst etwa 2.500 Collagen, darunter rund 100 über Schrobenhausen. Karl Stöger stellte seine Collagen mehrmals im Kunstverein Schrobenhausen aus und veröffentlichte zwei Collagenbücher im Verlag Benedikt Bickel. Viele Jahre schmückten seine Collagen das Programm der Schrobenhausener Volkshochschule und fanden so eine sehr großes Publikum. Musikliebhaber kennen Karl Stöger auch als Kontrabassisten  der Schrobenhausener Jazzband „Midnight Blue“ und der Volksmusikgruppe „Schrobenhausener Hoagartenmusi“.

Karl Stöger hat im Jahr 2022 seine Schrobenhausener Collagen im Original und seine anderen Collagen digital an das Stadtarchiv Schrobenhausen übergeben.

 

Publikationen von Collagen

  • Karl Stöger: Schrobenhausen in anderen Ansichten. Ausgewählte Texte und Collagen, Schrobenhausen 1988 (Verlag Benedikt Bickel)
  • Karl Stöger: Mün-Chen. Eine Weltstadt in anderen Ansichten, Schrobenhausen 2005 (Verlag Benedikt Bickel)

Beide Bücher sind in der Stadtbücherei und im Stadtarchiv vorhanden. Interessierte finden sie auch über Antiquariats-Portale.

 

 




Die ältesten Schrobenhausener Ansichtskarten 1900-1920

Jahrhunderte lang wurden Mitteilungen als gefaltete, verschlossene, meist versiegelte Briefe verschickt. Offene Mitteilungen mittels Karte zu versenden bürgerte sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein, zunächst in Form der „Correspondenz-Karte“ oder „Post-Karte“ ohne Abbildungen, dann als „Ansichtskarte“ mit Lithografien und später meist mit Fotomotiven.

Wann genau die erste Ansichtskarte mit Schrobenhausener Motiven auf den Markt gekommen ist, wird vielleicht nie endgültig geklärt werden können. Poststempel erzählen uns, dass schon in den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts eine größere Anzahl von Schrobenhausener Karten im Umlauf war, zu einer Zeit also, als das so genannte Goldene Zeitalter der Ansichtskarte begann. Manche Karten erscheinen uns heute eher als schlicht und fesseln uns vor allem wegen der frühen Stadtansichten, die in privaten Fotoalben in dieser Form eher selten sind. Ob schwarz-weiß oder farbig – alle Karten sind wahre Meisterwerke der jeweils zeitgenössischen Drucktechniken.

Ansichtskarten durften zunächst nur auf der Vorder-, also der Bildseite beschrieben werden, erst im Jahr 1905 wurden Karten zugelassen, bei denen die Adress-Seite geteilt war, also auch einen Raum für Mitteilungen zur Verfügung stellte.

Einer der größten Ansichtskartenverlage war der Verlag der Gebrüder Metz in Tübingen. Das Stadtarchiv Schrobenhausen besitzt ein Album dieser Firma, aus dem meist die Auflagejahre und die Auflagenhöhe der Karten hervorgehen. Aber auch Schrobenhausener Geschäftsleute boten Ansichtskarten an, so zum Beispiel die Hueber’sche Buchhandlung oder der Verlag Johann Hickl.

Im Lauf von mehr als 100 Jahren wurde eine fast unvorstellbare Menge von Schrobenhausener Ansichtskarten gedruckt. Eine genaue Zahl zu nennen, ist kaum möglich. Sammler sprechen von weit mehr als 800 oder gar von mehr als 1.000 Schrobenhausener Motiven. Neben einigen Schrobenhausener Privatsammlern mit zum Teil erstaunlich umfangreichen Beständen besitzt das Schrobenhausener Stadtarchiv eine stattliche Sammlung mit über 500 Schrobenhausener Motiven, auch über die einzelnen Ortsteile. Die Karten wurden im Lauf vieler Jahre von Antiquariaten erworben oder waren Bestandteil von Schenkungen oder Nachlässen Schrobenhausener Bürger.

 

Weiterarbeit

Die wenigen hier gezeigten Karten sollen erst ein Anfang sein und im Lauf der Zeit ergänzt werden, ob nach Zeitepochen oder nach Motiven muss sich erst noch herausstellen. Und wir werden auch unseren Einleitungstext immer wieder überarbeiten, denn Post- und Ansichtskarten sind ein sehr spannendes und beinahe unerschöpfliches Thema.

 

Schrobenhausener Postkartenbücher

Schrobenhausener Ansichten – eine Stadt in alten Postkarten, hrsg. von Benno Bickel und Thekla Maria Pollinger, Schrobenhausen 1980 (im Auftrag des Kunstvereins Schrobenhausen, erschienen im Verlag Benedikt Bickel)

Schrobenhausen. Die Stadt im Spiegel alter Postkarten, Schrobenhausen 2010 (Stadtsparkasse Schrobenhausen)

Beide Titel können über Antiquariatsportale erworben werden.

 

 

 

 

 

 

Villen in Schrobenhausen

 

Gruss aus Schrobenhausen

 

 

 

Ansichtskartenbuch der Firma Metz, Tübingen, für die Stadt Schrobenhausen. Die Seiten zeigen Karten aus den Jahren 1909 bis 1910. Wohl aus Versehen eingeklebt sind hier auch Karten von Kloster Scheyern. Einträge gibt es über Nachdrucke, über den Auftraggeber (hier meist die Hueber’sche Buchhandlung in Schrobenhausen), später auch über die Auflagenhöhe. Dieses unschätzbare Buch wurde vor vielen Jahren vom Stadtarchiv Schrobenhausen angekauft.

 

 




Karl Stöger – Schrobenhausen in anderen Ansichten

Karl Stögers Collagen sind jedem Schrobenhausener ein Begriff, nicht zuletzt, weil sie sehr viele Jahre als Titelbilder des Volkshochschulprogramms zu sehen waren, das in hoher Auflage an alle Haushalte im Raum Schrobenhausen verteilt wurde.

Karl Stöger wurde 1946 in Leipheim geboren und absolvierte zunächst nach dem Besuch der Volksschule in München eine Lehre und Gesellenprüfung als Schriftsetzer. Nach dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg studierte er für das Lehramt an Volksschulen in München. Rund 21 Jahre war Karl Stöger Lehrer in Schrobenhausen, zunächst an der Hauptschule, danach an der Grundschule. Daneben war er künstlerisch tätig im Bereich der Collage: Ausstellungen im Kunstverein, Veröffentlichung der Collagenbücher „Schrobenhausen in anderen Ansichten“  und „Mün-Chen“ im Verlag Benedikt Bickel. Genauere biografische Daten finden sich hier

Das Faszinierende an Stögers Collagen: Sie bestehen immer nur aus „zwei Elementen“ – eine Motivation, diesen zwei Teilen visuell nachzuspüren.

 

Karl Stöger - Collage von Schrobenhausen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Frühe Werbung in Schrobenhausen

Raumansicht von Mechtild Hofmanns Ausstellung "Frühe Werbung"

Raumansicht von Mechtild Hofmanns Ausstellung „Frühe Werbung in Schrobenhausen“

 

In Erinnerung an Mechtild Hofmann (1944-2020):

„Verführung – Frühe Werbung in Schrobenhausen …“

… so hieß der Titel einer Ausstellung, die die Schrobenhausenerin Mechtild Hofmann zusammengestellt hat und die von Dezember 2007 bis Februar 2008 im Museum im Pflegschloss zu sehen war. Gezeigt wurden Werbeobjekte von Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte der Fünfzigerjahre. Was die ganz verschiedenartigen Exponate verbindet: Sie haben alle mit Schrobenhausen zu tun, hingen entweder in Schrobenhausener Geschäften oder stammen von Schrobenhausener Firmen.

Werbung für Waren des Alltags entstand in größerem Umfang erst mit der Industrialisierung, die in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzt. Der Markt der vorindustriellen Zeit war begrenzt, man produzierte für die Stadt und das Umland. Gute Ware zu einem günstigen Preis, ein kleines Namensschild an der Geschäftstür und Mundpropaganda – das war Werbung genug. Mit der Industrialisierung begann die Massenproduktion, mit der Gewerbefreiheit entstand der freie Warenverkehr, die Eisenbahn eröffnete bis dahin ungeahnte Transportmöglichkeiten.

Viele Waren werden nun im Überschuss produziert, werden in entfernte Gebiete transportiert und sollen dort verkauft werden. Mundpropaganda allein reicht nicht mehr aus für einen ausreichenden Absatz. Die Werbung nimmt einen ersten Aufschwung: Werbung auf Schildern, Plakaten und witterungsfest auf emaillierten Blechschildern, aber auch in den Lokalzeitungen. Auch die größeren Firmen aus Schrobenhausen können sich diesem Trend nicht verschließen und werben ebenfalls mit solchen Mitteln.

Vielfach sind diese interessanten Werbeobjekte nach Gebrauch einfach weggeworfen worden, und doch sind in Kammern und auf Dachböden eine Reihe von ihnen erhalten geblieben. Sie haben Patina angesetzt – und gerade das macht ja ihren Reiz aus: man sieht ihnen an, dass sie ihren Zweck erfüllt haben. Sie gewähren uns Einblick in frühere Zeiten und lassen vielfach auch die Menschen mit ihren Wünschen und Sehnsüchten wieder lebendig werden.

Mechtild Hofmann hat viele dieser alten Objekte ausfindig gemacht, Hintergrundinformationen gesammelt und daraus eine Ausstellung für das Stadtmuseum zusammengestellt. Ausstellungen werden abgebaut, die Eindrücke der Besucher verschwinden allmählich. Daher dachten wir uns damals: Warum nicht einen Kalender herausbringen, der ein ganzes Jahr lang einige der reizvollen, nostalgisch anmutenden Ausstellungsstücke in die Wohnzimmer Schrobenhausens bringt.

Die Zeit verfliegt, der Kalender für das Jahr 2008 ist längst zu Altpapier geworden, die ganze Arbeit umsonst? Wir haben die Bilder und Texte wieder ausgegraben und möchten sie hier präsentieren. Vielleicht ergänzen wir ja die Texte zu den einzelnen Firmen, auch hier hat Mechtild Hofmann uns viel Material hinterlassen.

Mechtild Hofmann ist im Jahr 2020 gestorben. Diese Präsentation soll gleichzeitig eine Erinnerung sein an eine Schrobenhausenerin, die in ihrem Leben zahllose Möbel in Schrobenhausener Haushalten restauriert hat, sehr engagiert in Archiven und im privatem Umfeld geforscht und zusammen mit ihrem Mann Hans-Georg dem Stadtarchiv zahlreiche Dokumentationen mit unzähligen einzigartigen Fotos überlassen hat.

© Max Direktor für Text und alle Fotos

 

Reklame für Kathreiners Malzkaffee

Emailschild 55 cm x 40 cm, um 1900

Delikatessenhandlung Martin Steichele, Lenbachplatz 15

Reklame für Saccharin

Karton 37 cm x 21 cm

Delikatessenhandlung Martin Steichele, Lenbachplatz 15

 

Reklame für Lebewohl-Hühneraugenpflaster. Geprägtes Weißblech 60 cm x 40 cm

Reklame für Lebewohl-Hühneraugenpflaster

Geprägtes Weißblech 60 cm x 40 cm

Drogerie Geiger, Lenbachstraße 56

 

 

Reklame für Hautcreme Max Factor. Karton 90 cm x 68 cm

Reklame für Hautcreme Max Factor

Karton 90 cm x 68 cm

August Hahn, Friseursalon, Lenbachstraße 24

 

 

Reklame für Opel-Fahrräder

Geprägtes Blech 74 cm x 51 cm, 1911

Josef Schoirer, Fahrradhandel, Lenbachplatz 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reklame der Brauerei Kühbach

Emailschild Durchmesser 55 cm, um 1958

Stieglbräu, Lenbachplatz 2

 

Reklame der Post-Brauerei, Lenbachplatz 9

Emailschild 49 cm x 42 cm

Es wurde bis 1949 verwendet

 

Plakat für Post-Caffee, um 1890

71 cm x 35 cm

Delikatessenhandlung Martin Steichele, Lenbachplatz 15

 

Reklame für Kaiser´s Brust-Caramellen

Emailschild 200 cm x 59 cm, Anfang der 20er Jahre

Drogerie Geiger, Lenbachstraße 56

 

Reklame für Lipton´s Tee

Emailschild 180 cm x 31 cm, um 1920

Drogerie Geiger, Lenbachstraße 56

 

 




Schrobenhausen auf alten Landkarten

Alte historische Landkarten haben einen ganz eigenen Reiz. Jahrhunderte lang waren sie in Bibliotheken verschlossen oder in Form von Drucken nur wenigen zugänglich. Im Zeitalter der Digitalisierung können immer mehr dieser Karten zugänglich gemacht werden. Wir beginnen deshalb, einige dieser Karten zu präsentieren, die unsere Region zeigen – entweder als eigenen Scan oder in Form einer Verlinkung.

Der Forscher hat vielfältige Möglichkeiten der Auswertung. Wir als ortsgeschichtlich Interessierte schauen nach, was dem Kartenersteller wichtig war, welche Städte und Orte er aufnahm. Kleine Ortsansichten springen uns an, auch wenn wir wissen, dass diese Miniaturen wohl eben nicht reales Abbild der Wirklichkeit sind. Wir werden diese kleine Sammlung im Lauf der Zeit erweitern.

Über jeden Kartographen gibt es bereits umfangreiche Literatur. Einen ersten Einblick gibt nicht nur Wikipedia, wir empfehlen Recherchen auch in „bavarikon“, dem Portal zu den Kultur- und Wissensschätzen Bayerns (www.bavarikon.de).

Texte & Zusammenstellung: MD.

 

1501 – Etzlaub

Die älteste Landkarte, auf der Schrobenhausen zu finden ist – eine Karte von Erhard Etzlaub aus dem Jahr 1501. Hier ein kleiner Ausschnitt der Karte, die von Dänemark bis Italien reicht. Die Karte ist „gesüdet“, das heißt Italien liegt oben, Dänemark unten. Ungewöhnlich, dass die Stadt Neuburg fehlt. Denkbar wäre, dass Schrobenhausen wegen der alten Reichsstraße von Regensburg nach Augsburg aufgenommen wurde.  Ein hochwertiges Digitalisat der gesamten Karte befindet sich in der Harvard Map Collection der Harvard University und kann hier angesehen und heruntergeladen werden.

 

1568 – Apian

Philipp Apian (1531-1589) – Ausschnitt aus Blatt 13 seiner „Bayrischen Landtafeln“ aus dem Jahr 1568. Der in Ingolstadt geborene und an der dortigen Universität Mathematik lehrende Apian wurde 1554 von Herzog Albrecht beauftragt, eine genaue Karte von Bayern anzufertigen. Das Ergebnis dieser Landesaufnahme bildete eine „große Karte“ mit einer Größe von rund 30 Quadratmetern. Auf Wunsch des Herzogs entstanden 24 kleinformatige Landtafeln, die in der Werkstatt von Jost Amann in Holz geschnitten und im Jahr 1568 im Druck erschienen. Die Stadt Schrobenhausen wird bildhaft dargestellt, mit Stadtmauer, Türmen, Kirche, Häusern, den Flüssen Paar und Weilach und einer Paarbrücke.

 

 

1790 – Reilly

Johann Joseph von Reilly (1766-1820), geboren und gestorben in Wien, war Verleger und Schriftsteller, bekannt wurde er aber vor allem als Kartograph. In verschiedenen kartographischen Großwerken bzw. Bänden stellt er in mehreren hundert Blättern vor allem Europa dar. Der nebenstehende Ausschnitt stammt aus dem Blatt „Des Herzogthums Oberbayern Pfleggerichte Dachau, Crantsperg, Pfaffenhofen, Mainburg, Neustadt, Abensperg, (…) Ingolstadt, Schrobenhausen (…) oder des Rentamts München nördlicher Theil“. Die Karte ist undatiert und entstand wohl um 1790 (genauere Datierung ist angestrebt). Besonders klar dargestellt sind hier vor allem die Grenzen des alten Pfleggerichts Schrobenhausen.

 

 

1805 – Riedl 

Karte aus dem „Reise Atlas von Bajern“ des Münchner Kartographen Adrian von Riedl (1746-1809). Der aus einer Kartographenfamilie stammende Riedl wurde bereits 1766 zum Landgeometer ernannt und 1769 mit der Dokumentation des bayerischen Straßennetzes beauftragt. Seit 1790 Direktor der Straßen- und Wasserbauverwaltung, hat er sich auch um die Trockenlegung des Donaumooses verdient gemacht. Die nebenstehende Karte stammt aus seinem „Reise-Atlas“, der im Zeitraum von 1796 bis 1805 entstand und der auf 66 Karten alle bayerischen Haupt- und Landstraßen und die wichtigsten anliegenden Orte darstellt. Datiert wird die Karte auf das Jahr 1805. Riedl war außerdem Herausgeber von rund 400 handgezeichneten Landkarten und Plänen, darunter auch des auf 1792 datierten „Plans der unter der Cultur stehenden churfürstlichen Schrobenhausener oder Donauer Lehen Mooses“.




Historische Ansichten (2): „Schrobenhausen Mitte“

Diese Ansichtskarte einer so gut wie autofreien Schrobenhausener Altstadt mag in den frühen 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden sein. Im Mittelpunkt steht das südliche „Kopfgebäude“ der Zeil, das sogenannte „Schmadlhaus“.

Unter der Markise der beiden Schaufenster lesen wir den Schriftzug „Gubi“ und darunter „Lebensmittel“. Ältere Schrobenhauserinnen und Schrobenhausener werden sich an das für die örtlichem Verhältnisse moderne Geschäft noch gut erinnern. „Gubi“ – ein werbewirksames Kofferwort aus „gut“ und „billig“ – war ein Pionier der Lebensmittelketten und Vorgänger der heutigen Supermärkte. Gegründet wurde Gubi von dem Donauwörther Kaufmann Artur Proeller (1898-1983).  Die Schrobenhausener Filiale war zuletzt in die Obere Altstadt (Lenbachstr. 37) gezogen. Im Jahre 1997 wurde die Lebensmittelkette, die ein Jahr vorher einen Umsatz von 300 Millionen D-Mark erzielte, von Tengelmann „geschluckt“.   

Rechts im Bild sehen wir den zur „Legende“ gewordenen Gasthof „Bräumichl“ nebst Metzgerei; heute residiert dort die „Schrobenhausener Bank“. Errichtet worden war der Neubau von der früheren Raiffeisenbank Schrobenhausen.  (Text und Postkartensammlung; Benno Bickel) 




Historische Ansichten (1): Untere Altstadt

Fast unwillkürlich fällt beim Betrachten dieser Karte der Blick auf das Haus mit dem Stiefel an der Fassade. Dieses sinnige Geschäftsschild wählte Schuster Johann Bauer, als er 1902 Werkstatt und Laden eröffnete. Lange befand sich in dem zwischenzeitlich neu errichteten Gebäude (heute Lenbachstr. 15) ein Feinkostgeschäft, in jüngerer Zeit das Eiscafé Gondola, das auch schon wieder der Vergangenheit angehört. Linkersseits schließt die Marien-Apotheke an, rechts der Vorgängerbau des traditionsreichen Modehauses Boniberger, das 1934 dieses Gebäude bezog, 1972 einen Sichtbeton-Neubau an gleicher Stelle errichtete und 2019 schloß (Lenbachstr. 17). Blicken wir stadtauswärts, so sehen wir links der Marien-Apotheke, die bereits 1680 als Stadtapotheke erwähnt wird. Es folgen der mit der Stadrgeschichte seit dem frühen 17. Jahrhundert eng verknüpfte „Öfele-Bräu“ (heute Leerstand Lenbachstraße 11) und der einstige „Unterbräu“ (heute neu gebautes Geschäftshaus Lenbachstraße 9). Das ganz im Hintergund zu sehende,  in die Straße eingerückte Handelshaus von Baptist Weihard fiel 1963 der Spitzhacke zun Opfer. An seiner Stelle entstand das Kaufhaus Hörhammer (Lenbachstr. 1), seit über 20 Jahren Schrobenhausens „prominentester“ und wohl ungeliebtester Leerstand – ein städtebauliches Ärgernis. (Text und Postkartensammlung: Benno Bickel)