Bilder aus der Geschichte Mühlrieds

Blick von Schrobenhausen nach Mühlried 1956

Blick von Schrobenhausen nach Mühlried 1956

Mühlrieds Geschichte reicht bis weit ins Mittelalter zurück. Schon um das Jahr 1200 tauchen in verschiedenen Urkunden mehrere Personen auf, die mit dem Ortsnamen verbunden sind: ein „Diepolt de Mulried“, ein „Pilgrimus de Mulriet“ und ein „Rudiger de Mulried“ . Die Deutung des Ortsnamens bereitet keine Schwierigkeiten: Denn „ried“ bedeutet nichts anderes als ein mit Schilf oder Sumpfgras bewachsener Grund. Mühlried war also ein solcher Ort, auf dem eine Mühle stand.

 

Die Dorfmühle

Namensgebend für die Ansiedlung war wohl die Dorfmühle, die dort stand, wo heute noch das Stauwehr der Paar zu sehen ist. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird die Dorfmühle um das Jahr 1400. Anno 1468 erwirbt sie Ritter Wiguläus von Weichs, durch Heirat geht sie 1517 in die Hände von Ritter Sigismund von Sandizell auf Edelshausen über. Die Mühle wurde von den Hofmarksherrn nie selbst bewirtschaftet, sondern „verstiftet“, das heißt an Müller zur Bewirtschaftung gegen Abgaben übergeben. Die umfangreichen Archivbestände der Hofmark Edelshausen, von denen sich ein großer Teil im Stadtarchiv Schrobenhausen befindet, erzählen uns sehr viel über das Schicksal der Mühle und der Müller: Von Hofübergaben, Heiratsabreden, Schuldsachen, Unglücksfällen, Streitsachen zwischen den Paarmüllern wegen Wasserbau und von Verwüstungen durch Hochwasser und Eisstöße.

 

Verschiedene Grundherren

Das Leben der Dorfbewohner war Jahrhunderte lang geprägt von der Grundherrschaft: Die Bauern konnten über Grund und Boden nicht frei verfügen, sie waren abhängig von Grundherren, die ihnen Haus und Grund gegen Abgaben und Scharwerksdienste zur Bewirtschaftung übergaben. Eine Zusammenstellung aus dem Jahr 1752 zeigt die enge Beziehung Mühlrieds zu Hohenwart, denn fast die Hälfte der 38 Höfe stand unter der Grundherrschaft des Klosters Hohenwart, 10 Höfe gehörten zur Hofmark Edelshausen, der Rest teilte sich auf zur Hofmark Steingriff, Niederarnbach und direkte Untertanen des bayerischen Herzogs. Große Bauern gab es nur wenige, drei Viertel aller Höfe waren so genannte „Sechzehntelhöfe“, d. h. Höfe mit nur kleinem Grundbesitz, bei denen der Lebensunterhalt eher schlecht als recht gesichert war. Die Grundherrschaft lastete in Bayern bis ins 19. Jahrhundert auf der bäuerlichen Bevölkerung, erst im Revolutionsjahr 1848 wird sie aufgehoben.

 

Die Bildung der modernen Gemeinde

Die alte bayerische „Dorfgmain“ war keine Verwaltungseinheit, sondern regelte nur die wirtschaftlichen Angelegenheiten rund um das Dorf: sie befasste sich mit Grundstücken, Wald, Weide, Nutzungsrechten, Wegebau. Die Bildung der modernen Gemeinden erfolgte durch das Gemeindeedikt von 1818: Dörfer, Ortschaften, Weiler und Einöden wurden zu einer politischen Gemeinde zusammengefasst, der als unterster Verwaltungseinheit auch genau definierte Kompetenzen zugesprochen wurde: z. B. die Aufsicht auf das Schul-, Armen- und Stiftungswesen und die niedere Polizeigewalt. Zur Gemeinde Mühlried gehörten die Orte Königslachen und Ried, die Weiler Sandhof, Högenau und Altenfurt sowie die Einöden Rinderhof und das Gut Weil. Erster Gemeindevorsteher nach den Bestimmungen des Gemeindeedikts wurde der Bauer Jakob Tiroller, Gemeinde-Bevollmächtigte („Gemeinderäte“) die Bauern Joseph Kramer und Simon Schäfer sowie der Schneider Willibald Wagner.

 

Die agrikole Statistik 1840

Alle Orte rund um die Stadt Schrobenhausen waren bis weit ins 20. Jahrhundert stark landwirtschaftlich geprägt. Als im Jahr 1840 die agrikole Statistik für ganz Bayern erhoben wurde, zeigt sich zum ersten Mal ein sehr detailgenaues Bild der Gemeinde Mühlried. Von den insgesamt 62 Familien leben 39 Familien als „Gutsbesitzer“ vom Landbau, 17 Familien besitzen nur ein Leerhaus, das heißt sie haben keinen oder nur sehr geringen Grundbesitz und müssen vom Taglohn leben, nur 6 Familien üben ein Gewerbe aus, doch auch sie haben Feldbesitz, weil die gewerblichen Einkünfte offensichtlich nicht ausreichen. Der Landwirtschaft zugeordnet sind 32 Knechte und 23 Mägde, für das Gewerbe sind 6 Gesellen und Lehrlinge nachgewiesen. Auch der Viehstand wird genau dokumentiert: So finden sich in der Gemeinde 89 Pferde, 96 Arbeitsochsen, 220 Melkkühe sowie 285 Stück Jungvieh und Kälber, 198 Schafe und 100 Lämmer, 41 Schweine und 128 Jungschweine, 33 Enten, 489 Hühner und 100 Tauben.

 

Gewerbe in Mühlried

Mühlried hatte im Jahr 1840 nur 434 Einwohner und nahm hinsichtlich der Einwohnerzahl nur Platz elf der 37 Gemeinden des Landgerichtsbezirks Schrobenhausen ein. Auf Grund der geringen Einwohnerzahl und wohl auch wegen der Nähe zu den städtischen Handwerkern gibt es nur wenige gewerbliche Betriebe in Mühlried. Für das Jahr 1853 ist eine genaue Aufstellung der Gewerbetreibenden erhalten: Wir finden hier den Schuhmacher Josef Schnitzler, den Schneider Robert Wagner, den Müller Franz Huber, den Wirt Mathias Pichler sowie den Müller Johann Zirschling auf der Aumühle.

Das große Mühlensterben im 19. Jahrhundert ging auch an Mühlried nicht spurlos vorbei: Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Mühlen wurden immer schlechter und führten schließlich zu hoher Verschuldung. Die Dorfmühle wurde 1872 vom Schrobenhausener Papierfabrikanten Georg Leinfelder erworben. Er erbaute an deren Stelle eine Holzschleiferei, die aus dem Rohstoff Holz den so genannten Holzschliff herstellte, den Rohstoff für die Papierproduktion in der Schrobenhausener Papierfabrik. Die Holzschleiferei war Mühlrieds erster größerer Gewerbebetrieb. – Auch mit der Aumühle ging es wirtschaftlich bergab: Hochverschuldet ging die Mühle 1881 an die Immobilien-Gesellschaft München über. Im Jahr 1908 wurde die Aumühle von der Stadt Schrobenhausen erworben, die dort – eine nie realisiertes – kleines Wasserkraftwerk errichten wollte. Die Höfe wurden schon kurze Zeit weiterverkauft. – Lange Zeit blieb die Papierschleiferei der einzige größere Betrieb im Ort, im Jahr 1922 gründeten sich die Kunststeinwerke Schrobenhausen, die in Mühlried Zementwaren aller Art herstellten und bereits in den Zwanzigerjahren 20 bis 30 Beschäftigten Arbeit und Brot gaben.

 

Um die Jahrhundertwende

Mühlried wuchs – wie die meisten Landgemeinden – in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts nur wenig, der Bevölkerungsüberschuss zieht in die Städte, vor allem die Großstädte, um dort seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Was bewegt die Gemeinde Mühlried um die Jahrhundertwende? Die Beschlussbücher der Gemeinde geben Aufschluss, sie sind ein Spiegelbild des Gemeindelebens der damaligen Zeit. Hier geht es um das Bürgerrecht, das von der Gemeinde verliehen wurde, jedoch von der Zahlung einer direkten Steuer abhing und so bei weitem nicht allen zustand. Beschlossen wurde über das Heimatrecht, das regelte, welche Gemeinde zuständig war, wenn der Heimatberechtigte in finanzielle Notlage geriet, verarmte oder seine Krankenhausrechnungen nicht bezahlen konnte. Beschlüsse wurden gefasst über Ausbau und Reparatur von Straßen, Wegen und Brücken, über die Verpachtung der Gemeindejagd und des Fischwassers, über Nachtwache und Viehhut, natürlich über die Erhebung und Beitreibung der gemeindlichen Steuern und die Aufstellung der Gemeinderechnungen.

 

Statistik von 1939 belegt Wandel

Hundert Jahre nach den ersten genauen statistischen Erhebungen sehen wir Mühlried gründlich verändert. Die Volkszählung von 1939 erhebt nicht nur genaue Daten über die Bevölkerungsanzahl, sondern auch die soziale Stellung und die Arbeitsorte. Mühlried hat jetzt 800 Einwohner, die Bevölkerung hat sich also in den zurück liegenden hundert Jahren nahezu verdoppelt. Der Anteil der Selbstständigen – vor allem Landwirte – ist mit 45 % an den Erwerbspersonen noch relativ hoch, der Anteil der Arbeiter – vor allem nichtlandwirtschaftliche Arbeiter – beträgt 52 %. Angestellte und Beamte spielten als Bewohner noch eine völlig untergeordnete Rolle, was sich jedoch im Lauf der folgenden Jahrzehnte deutlich ändern sollte. Interessant natürlich auch ein Blick auf die Pendelwanderung: Bereits etwa 20 % der Erwerbstätigen arbeitet in Schrobenhausen.

 

Kriegsende und Neubeginn

Mühlried blieb – wie die meisten Orte im Raum Schrobenhausen – von Verwüstungen während des Zweiten Weltkrieges verschont. Schon während der Kriegszeit waren aus den bombardierten Städten Ausgebombte und Evakuierte in die ländlichen Gebiete gezogen oder geschickt worden. Seit 1946 strömen tausende von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen in den Landkreis Schrobenhausen. Das führt auch in Mühlried zu einer starken Bevölkerungszunahme, nämlich von 800 im Jahr 1939 auf 1.074 im Jahr 1946, eine Zunahme von über 30 Prozent in wenigen Jahren.

 

Mühlried wird zweitgrößte Gemeinde

Mühlried wurde als Siedlungsgebiet direkt vor den Toren der Stadt immer beliebter. Bereits im Jahr 1955 war die Bevölkerung auf 1.408 Einwohner gestiegen, eine Steigerung von 80 % in den zurück liegenden 16 Jahren. Mühlried ist damit bereits zweitgrößte Gemeinde im Landkreis Schrobenhausen nach der Kreisstadt. – Im Jahr 1956 wird Georg Paulus zum Bürgermeister gewählt – er sollte den Weg der Gemeinde bis zur Eingliederung in die Stadt 22 Jahre lang begleiten. Auch später noch wird er als Stadtrat die Interessen Mühlrieds vertreten. Ausgezeichnet wurde er für seine Verdienste später unter anderem mit der Bürgermedaille. – Zahlreiche große Probleme waren mit der Bevölkerungszunahme verbunden: Baugebiete mussten erschlossen werden, Straßen gebaut werden. Schon Ende der Fünfzigerjahre wurde die Wasserqualität als unzureichend empfunden. Im Jahr 1961 begann Mühlried mit dem Bau einer zentralen Wasserversorgung, die Wasserlieferung übernahm die Kreisstadt. Parallel dazu wurde die Kanalisation projektiert und Stück für Stück verwirklicht. Jeder zweite Beschluss des Mühlrieder Gemeinderats beschäftigte sich inzwischen mit Bauanträgen und damit zusammen hängenden Problemen wie Wasserversorgung, Kanalisation, Straßenbau.

 

Die Riederwaldsiedlung

Der Bauboom in Mühlried in den Sechzigerjahren ist ungebrochen. In dieser Zeit entsteht auch die bis dahin größte zusammenhängende Siedlung, die Riederwaldsiedlung. Am 27. Januar 1961 erklärt sich der Gemeinderat einstimmig mit dem Gesuch von Johann Jodl einverstanden, in Mühlried eine so genannte Nebenerwerbssiedlung für Heimatvertriebene zu errichten, die den Namen „Am Riederwald“ tragen sollte. Im Herbst desselben Jahres trafen sich im Gasthaus Wünsch mehr als hundert Siedlungsbewerber, um über das Projekt zu beraten, im Jahr darauf erfolgt die Aufteilung des Grund und Bodens an sechsundvierzig Siedler. Im Herbst 1964 beginnen die Bauarbeiten, im Jahr darauf ziehen bereits 400 Neubürger ein, im Juni 1966 erfolgt die offizielle Einweihung. Zwei Jahre später wird die Riederwaldsiedlung im Bundeswettbewerb „Die besten Kleinsiedlungen“ zweiter Landessieger.

 

Mühlried erhält ein Wappen

Im Februar 1965 beschließt der Mühlrieder Gemeinderat die Annahme eines Wappens, die Diskussion über die Wappenentwürfe zieht sich jedoch hin. Zwei Jahre später wird das neue Wappen der Gemeinde vom Bayerischen Staatsministerium des Innern genehmigt. Die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, die zu allen Wappenentwürfen gehört wird, schreibt im Abschlussgutachten: „Mühlried war der Stammsitz eines spätmittelalterlichen Adelsgeschlechts, der Herren von Mühlried, die im Wappen einen Einhornkopf führten. Dieses die Ortsgeschichte symbolisierende Zeichen wird mit einem Mühlrad verbunden, um einmal auf den Gemeindenamen hinzuweisen und zum anderen die seit alters in der Gemeinde nachgewiesenen zahlreichen Mühlen darzustellen.“

 

Umgehungsstraße entlastet Mühlried

Über 200 Jahre war die Verbindungsstraße zwischen Augsburg und Regensburg durch die Innenstadt Schrobenhausens und durch Mühlried verlaufen. Von Mitte der Fünfziger- bis Mitte der Sechzigerjahre hatte sich das Verkehrsaufkommen der inzwischen als B 300 bezeichneten Straße verfünffacht. Schon im Jahr 1963 wurden ernsthafte Gespräche über die „Ortsumgehung Schrobenhausen-Mühlried“ geführt. Im Herbst 1965 hatten die Arbeiten begonnen, zwei Jahre später war es endlich so weit: Die Umgehungsstraße konnte offiziell eingeweiht werden und brachte für Mühlried eine enorme Verkehrsentlastung. – Wie sich die Zeiten ändern: Schon früher war diese Straße an Schrobenhausen und Mühlried vorbei verlaufen, nämlich über dem Paartal durch den Weiler Ried Richtung Waidhofen. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde diese wichtige Verbindungsstraße, auf Wunsch der Stadt so verlegt, dass sie nun durch die Stadt und damit auch durch Mühlried verlief, weil man sich durch den zunehmenden Verkehr wirtschaftliche Vorteile versprach.

 

Die erste Kolpingsiedlung Bayerns

Die zweite große geschlossene Siedlung in Mühlried entstand durch die Initiative der Schrobenhausener Kolpingfamilie. Es sollte die erste geschlossene Kolpingsiedlung Bayerns werden. Die Bemühungen der Kolpingfamilie reichen bis ins Jahr 1964 zurück. Ziel der Siedlungsinitiative war, auch Familien mit Kindern und sozial schwächeren Familien zu einem eigenen Heim zu verhelfen. Drei Jahre später wurde die Wohnbaugemeinschaft Schrobenhausen gegründet, im Frühjahr 1969 wurde der Bebauungsplan genehmigt, im Herbst der Grundstein der Siedlung gelegt. Bis Weihnachten 1970 konnten bereits sechs Häuser bezogen werden, im September 1971 wurde die Siedlung offiziell eingeweiht: Sie bestand aus 12 Zweifamilienhäusern, 19 Reihenhäusern und 8 Bungalows mit insgesamt 51 Wohnungen und gab rund 180 Menschen ein neues Zuhause.

 

Eigene Schule und neue Kirche

Mühlried hatte keine eigene Kirchengemeinde, die katholischen Gläubigen waren zur Pfarrei St. Jakob in Schrobenhausen eingepfarrt. Durch den enormen Bevölkerungszuwachs Mühlrieds wurde es notwendig, in Mühlried einen eigenen Kirchensprengel zu bilden und eine neue Kirche zu errichten, da die Kirche St. Ursula nur für eine kleine Dorfgemeinde gedacht war. Im Januar 1968 war daher ein Kirchenbauverein gegründet worden, im Mai 1970 wurde der erste Spatenstich getan, im September 1973 konnte die neue Heilig-Geist-Kirche in Mühlried eingeweiht werden. – Schon immer hatten die Mühlrieder Kinder die Schule in Schrobenhausen besucht, die Bevölkerungszunahme erforderte auch hier zügiges Handeln. Der Gemeinderat hatte bereits im Jahr 1967 einen Beschluss hinsichtlich einer eigenen Schule gefasst, eine Schulreform überholte dieses Vorhaben. Im November 1971 wurde mit dem Bauvorhaben begonnen, im Juli 1973 konnte das neuerbaute Schulhaus als Grund- und Teilhauptschule eingeweiht werden.

 

1972: Mühlried erhält Zuwachs

Schon Ende der Sechzigerjahre warf die Gebietsreform ihre Schatten voraus. Die Landkreisgebietsreform und die Gemeindegebietsreform sollten größere Verwaltungseinheiten schaffen. Obwohl Mühlried längst die mit Abstand zweitgrößte Gemeinde war, wurde auch schon Anfang der Siebzigerjahre diskutiert, ob man sich der Stadt Schrobenhausen anschließen sollte. Zu diesem Zeitpunkt jedoch wurde das Vorhaben letztlich noch durch einstimmigen Beschluss des Gemeinderats abgelehnt. Im Gegenzug erhielt die Gemeinde Mühlried Zuwachs durch die benachbarte Gemeinde Edelshausen. Mühlrieds zählte im Jahr 1974 stolze 3.787 Einwohner, fast eine Verneunfachung der Einwohnerzahl von 1840.

 

Mühlried wird Stadtteil

Doch die Diskussionen um die Gemeindegebietsreform dauerten an, bereits einige Jahre später stand das Thema erneut auf der Tagesordnung. Diesmal konnten die Mühlrieder nicht mehr widerstehen, zumal auch finanzielle Anreize geschaffen wurden. Zum 1. Juli 1978 wurde die Gemeinde Mühlried ein Stadtteil von Schrobenhausen. – Mühlried ist seither weiter gewachsen, viele Gewerbebetriebe haben sich neu angesiedelt. Die eigene Kirchengemeinde, die Schule, einer der größten Schrobenhausener Sportvereine prägen das kulturelle Leben Mühlrieds und sorgen für kulturelle Identität. Mühlried hat sich so als Stadtteil seinen eigenständigen Charakter bewahrt.

 

Die früheren Ortsteile von Mühlried

Königslachen

Um 1280 zum ersten Mal als „Chunislach“ erwähnt. Der Ortsname leitet sich ab aus dem Wortstamm „lache“, der auf ein stehendes Gewässer hindeutet, und dem Personenname „Cuni“, der sich im 16. Jahrhundert Zu „König“ verändert. Königslachen besitzt das Kirchlein St. Bernard, das in der heutigen Form im 18. Jahrhundert errichtet wurde.

Ried

Wohl schon um 807 als „reode“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Ortsname deutet wie bei Mühlried auf einen mit Schilf oder Sumpfgras bewachsenen Grund. Die Ansiedlung besteht 1823 erst aus zwei Häusern. Durch Ried führte bis Mitte des 18. Jahrhunderts die alte Paartalhochstraße, die Augsburg und Regensburg verband.

Högenau

Namensgebend für die Ansiedlung ist der nahe Staatsforst Hagenau. Seit Ende des 11. Jahrhunderts nennt sich ein Adelsgeschlecht nach ihrem Familiensitz „von Hagenouvva“. Im 15. Jahrhundert gelangt die Högenau in den Besitz des Schrobenhausener Bürgermeisters Hans Götz, der noch vor seinem Tod die beiden Höfe dem Schrobenhausener Spital überschreibt. Die „Spitalbauern“ mussten Jahrhundert lang Abgaben ans Schrobenhausener Spital leisten.

Rinderhof

Wir vermuten Rinder hinter dem Ortsnamen, doch Forscher sehen als Namensgeber eine Person namens „Rindo“. Der Hof wird schon im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Hof von Georg Leinfelder gekauft.

Sandhof

Um 1270 zum ersten Mal erwähnt, der Ortsname deutet auf einen sandigen Untergrund hin.  Im Jahr 1823 besteht der Weiler noch drei Häusern, heute hat er zwei Wohngebäude.

Altenfurt

Schon um 1130 zum ersten Mal erwähnt. Der Ortsname wird mit „Siedlung bei der alten Furt“ gedeutet. Altenfurt war seit frühester Zeit wichtige Übergangsstelle über die Weilach. Der Hof mit dem Hausnamen „Zöllner“  war früher eine Zollstelle.

Weil

Ein um 1818 entstandenes Gut des Rentbeamten Pappenberger, frühere Benennung auch „Pappenberg-Weil“.


Dieser Beitrag erschien erstmals in der Festschrift „125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Mühlried” 2001

 




Schrobenhausen: Von der kleinen Stadt und ihrem großen Mann

Vor 35 Jahren: Kulturpolitische Betrachtungen aus dem Jahr 1987


Kultur in Schrobenhausen: Der nachfolgende, unverändert wiedergegebene Text entstand im Juli 1987 als durchaus subjektive Bestandsaufnahme des Schrobenhausener Kulturlebens und seiner Entwicklungsmöglichkeiten. Inklusive eines mehr oder weniger „prophetischen“ Blickes auf die damals künftige und heute zur Gegenwart gewordene Rezeption des Schrobenhausener Rathauses.


Vor allem sind es die Maler, die das kulturelle Selbstverständnis der Stadt Schrobenhausen prägen. Da ist natürlich an erster Stelle Franz von Lenbach, 1836 hier geboren und 1904 in München gestorben. Der einstmals weltberühmte Porträtist blieb bis heute der eine große Mann, den ein gnädiges Schicksal häufig auch den kleinen Städten schenkt, auf daß sie Halt an ihm finden, sich anlehnnen können auf der Suche nach Identität.

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Derlei Bedürfnis freilich kann höchst unterschiedlich befriedigt werden. Auch Franz von Lenbach blieb es nicht erspart, seinen Namen den eher profanen Dingen dieser Welt leihen zu müssen, vom Lenbach-Bock bis hin zum Lenbach-Schinken. Und das liebgewonnene Etikett „Lenbachstadt Schrobenhausen“ wird vielleicht ab und an etwas überstrapaziert. Daß das in aller Welt seiner komischen Seiten nicht entbehrende Verhältnis zwischen großem Mann und kleiner Stadt kein ehernes Naturgesetz zu sein braucht, bewies 1986 zum 150. Geburtstag des Malers eine Gedächtnisausstellung von solcher Qualität, daß sie den Feuilletonisten aller großen deutschen Zeitungen einer anerkennenden Rezension würdig schien. So hat sich Schrobenhausen um seinen „großen Sohn“ einmal wirklich verdient gemacht.

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Was nach Ansicht so mancher Leute nicht immer der Fall war. Denn justament das größte Vermächtnis Lenbachs, der prunkvolle, von ihm gestiftete und nach ihm benannte Saal im alten Rathaus fiel gemeinsam mit diesem im Jahre 1967 der Spitzhacke – oder realistischer gesprochen – den Abbruchbaggern zum Opfer. Seither ist es schwierig geworden, über Schrobenhausen zu schreiben. Soll man die Tat, 20 Jahre nach ihrer Vollführung, nun wie vielfach gewünscht endlich totschweigen? Oder soll man einstimmen in die mittlerweile schon fast modische Klage über den herben Verlust? Welch letzteres bei Besuchern der Stadt, in Wort und Bild entsprechend verbreitet, häufig eine gespannt-mitleidige Erwartungshaltung à la „Zeig mir deine Wunde!“ auslöst. Aber vielleicht gibt es da noch einen dritten Weg. Der könnte zu der dreisten Behauptung führen: In nicht allzu ferner Zeit wird die Kunstgeschichte das moderne Schrobenhausener Rathaus, so wie es dasteht, preisen als die einzige eigenständige und architektonisch ernstzunehmende Leistung Schrobenhausenes im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts! Mag diese Behauptung zu Zeiten der Hochkonjunktur eines neuen „Historismus“, in dessem Geiste die funktionslosen Erkerlein aus den Neubauten sprießen wie die kontaminierten Schwammerl im Walde, auch noch so ketzerisch anmuten! Wetten, daß die Zeit kommt …

Lenbachsaal im Alte Rathaus Schrobenhausen

Lenbachsaal im Alten Rathaus Schrobenhausen

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Und bis es soweit ist, muß man das alte Rathaus halt noch wie eine Reliquie beim Schrannenfest als Modell durch die Straßen fahren. Womit ein weiteres Stichwort gefallen ist. Der Schrobenhausener Verkehrsverein hat den Bürgern, die noch vor wenigen Jahren dem Zeitgeist huldigend muffig hinter ihren Fernsehern saßen, das Feiern wieder beigebracht. Zum Schrannenfest 15 000 Besucher an einem Sonntagnachmittag, wie erst vor wenigen Tagen wieder der Fall, zeigen, daß die Vereinzelung doch wieder der Pflege von Gemeinsamkeit weicht. Und das ist der Urgrund kulturellen Lebens.

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Zum Beispiel – um nur eines zu nennen – im Bereich der Musik: Seit Gründung der Städtischen Musikschule im Jahre 1973 wächst eine neue Generation von Kindern und Jugendlichen heran, für die Musik nicht mehr primär ein Konserven-Erlebnis, sondern aktive Gestaltungsleistung bedeutet. So ist zur erfreulichen Tradition gehobener geistlicher Musik ein Neubeginn auf dem „profanen Sektor“ hinzugekommen.

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Freilich, es gibt sie noch, jene vermeintlich Feinsinnigen, die mit ihrem Los hadern, daß ein ach so erbarmungsloses Schicksal sie nach Schrobenhausen verschlagen hat. (Warum, bitteschön, bleiben sie dann?) Die das rechte Verhältnis zu Produktionsbedingungen und Erlebnismöglichkeiten von Kultur in der Kleinstadt einfach nicht zu finden vermögen. Die ihrer gequälten Seele ausschließlich durch Kulturkonsum in den großen Metropolen Linderung verschaffen können. Oder – und da wird es dann schlimm – sich mit Sendungsbewußtsein anschicken, das Gesellschaftsstück „Jetzt spielen wir Kultur!“ zu inszenieren, ohne zu merken, wie es zur eigentlichen Provinzposse wird.

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Doch gerade auch aus solchen Spannungsfeldern heraus wird die Vitalität kleinstädtischer Kultur gespeist. Deren Chancen und Grenzen zu erkennen, ohne ständig an Türen zu drücken, auf denen „Ziehen!“ steht, macht in Schrobenhausen seit Jahren sichtbare Fortschritte.

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Wenn eingangs von Malern die Rede war: Besonders auswärtigen Beobachtern ist in letzter Zeit immer wieder aufgefallen, daß das kleine Schrobenhausen mehr Maler sein eigen nennt, als ihm der Statistik nach eigentlich zustünde. In der Tat erstaunt es, wenn in einem nur gut 15 000 Einwohner zählenden Städtchen bar vordergründiger landschaftlicher Attraktionen nicht weniger als sechs freischaffende Maler und Bildhauer sowie eine ganze Reihe weiterer Künstler leben und arbeiten. Mit Lenbach hat das übrigens gar nichts zu tun! Hier eine Pseudo-Kontinuität herbeizuzwingen, hieße Heimatgeschichtsschreibung als spießbürgerliche Selbstbeweihräucherung zu betreiben.

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Bleibt nur zu hoffen, daß man in Schrobenhausen mit derlei Talenten auch zu wuchern versteht. Denn die Mitglieder dieser „Künstlergemeinde“ sind mehrheitlich noch relativ jung. Sie entwickeln sich weiter. Und es wäre schade, wenn sie eines Tages feststellen müßten, daß die Mauern zu eng werden …

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Womit wir bei den Mauern wären: Die Stadtmauer, der Stadtwall mit seinen prächtigen Bäumen, die immer noch den außerordentlichen optischen Reiz des Schrobenhausener Ensembles bilden, sind in den letzten zehn Jahren mehr und mehr als das große Kapital erkannt worden, mit dem sorgsam umzugehen Früchte trägt. Und um dem „Außen hui – innen pfui“ einer immer autogerechter gewordenen Altstadt entgegenzuwirken, hat man nun Gottseidank mit einer Stadtsanierung begonnen, die noch beispielshaft werden könnte. Vorausgesetzt, die politischen Entscheidungsträger lassen sich vom Druck horizont- wie perspektiveloser Vertreter von Partikularinteressen nicht zur Gänze den Schneid abkaufen.

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So manches ist erreicht. So manches erhofft man sich zurecht. So manches ist aussichtslos. Alles in allem läßt sich damit ganz gut leben. Das klingt vielleicht verhalten-miesmacherisch zu Zeiten, wo Selbstdarstellungsorgien, mit denen man sich in die eigene Tasche zu lügen pflegt, die Regel geworden sind. es ist aber durchaus als Kompliment gemeint. Als Kompliment für ein Schrobenhausen, das manchmal weniger Provinz ist, als der provinzielle Geist seiner Kritiker zu begreifen vermag.




Schrobenhausen: Alte Chroniken und Gesamtdarstellungen

Stadtchroniken oder ausführlichere Gesamtdarstellungen über Schrobenhausen sind dünn gesät und ausnahmslos älteren Datums. Zu Beginn steht die Chronik eines zu wenig gewürdigten Professors für Mathematik, des in Schrobenhausen gebürtigen Thaddäus Siber aus dem Jahr 1817. Es folgt 1850 das Chronikon des Geistichen Michael Fick, im Jahr 1858 eine kurze Chronik des aus Schrobenhausen stammenden Geistlichen Johann Evangelist Waldvogl. Eine im Wochenblatt 1886-1887 erschienene Chronik des späteren Ehrenbürgers Michael Thalhofer ist so gut wie unbekannt. Da die Urheberrechte dieser Werke erloschen sind, können wir sie hier präsentieren oder auf die Digitalisate im öffentlichen Bibliotheksnetz verlinken.

Danach folgen nur noch kürzere Gesamtdarstellungen, so von Georg August Reischl in der Zeitschrift „Bayerland“ im Jahr 1937 und im allgemein geschätzten Sammelwerk „Landkreis Schrobenhausen“ 1963. Das Buch „Stadt Schrobenhausen. Erzähltes zur Geschichte“ von Werner Vitzthum bringt zahlreiche Aspekte der Stadtgeschichte, ist aber im Wesentlichen eine Sammlung von Zeitungsartikeln des Autors.

Wir präsentieren oder verlinken hier auf alle Werke, bei denen das Urheberrecht erloschen ist. Alle anderen Titel hat das Stadtarchiv präsent.

Wir werden im Lauf der Zeit die Biographien der Chronisten ergänzen und versuchen, die Bedeutung ihrer Chroniken einzuschätzen. Manches erscheint heute überholt, viele Informationen sind aber auch heute noch für die Stadtgeschichte bedeutsam.

 

Thaddäus (Thadde) Siber, 1774 geb. in Schrobenhausen, Benediktinerpriester, Professor für Mathematik und Physik, beschäftigte sich mit der Geschichte seiner Heimatstadt und veröffentlichte 1817 seine „Historisch-statistischen Notitzen“ im zeitgenössischen „Landwehr-Almanach“, die als erste Schrobenhausener Chronik gelten können.

Thadde Sibers Chronik finden Sie hier

 

Michael Fick (1807-1877), geboren in Hohenwart, zunächst Lehrer in Schrobenhausen, nach dem frühen Tod seiner Frau Studium der Theologie, dann ab 1842 Kaplan und danach Benefiziat Schrobenhausen. Er erweiterte das von Benefiziat Anton Ertlmair begonnene „Chronicon“ und veröffentlichte es bogenweise als Beilage im Schrobenhausener Wochenblatt. Besonders reizvoll sind drei Stiche, eine Ansicht von Schrobenhausen, eine Marktszene auf dem Schrannenplatz und eine Ansicht von Hohenwart. Wir werden diese Stiche in besserer Qualität auf unserer Homepage nachreichen.

Michael Ficks Chronikon finden Sie hier 

 

Johann Evangelist Waldvogel (1804-1855). Bisher war wenig zu seiner Biographie bekannt. Geboren in Schrobenhausen, studierte er Theologie und war ab 1838 katholischer Stadtpfarrer in Nördlingen. Im Jahr 1855 starb er in Loppenhausen, kurz nachdem ihm diese Pfarrei im Landgericht Mindelheim verliehen worden war. Im Jahr 1858 erschien seine „Historische Skizze von Schrobenhausen“.Genauere biographische Angaben finden sich hier.

Johann Evangelist Waldvogls Chronik finden Sie hier 

 

Michael Thalhofer (1855-1929) stammte aus Aichach, studierte Theologie, wurde ab 1877 zunächst Kaplan in Schrobenhausen und war danach hier rund ein halbes Jahrhundert Benefiziat. Er war Gründungsmitglied und Schriftführer des Historischen Vereins, hielt Vorträge und veröffentlichte wichtige Beiträge zur Schrobenhausener Geschichte.  Heute zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist seine Chronik  „Zur Schrobenhauser Geschichte“, die in zahlreichen Folgen in den Schrobenhausener Wochenblättern 1886 bis 1888 erschien – und die wir hier als Kopie aus den Zeitungsbänden präsentieren.  Im Jahr 1927 verlieh ihm die Stadt Schrobenhausen für seine Verdienste das Ehrenbürgerrecht. Mehr biographie Daten und Veröffentlichungen von Michael Thalhofer finden Sie hier

Michael Thalhofers Chronik finden Sie hier 

 

 

Schrobenhausen, seine Geschichte, Sehenswürdigkeiten und Umgebung (1910).

Die 24-seitige Broschüre, herausgegeben vom Historischen Verein Schrobenhausen, wurde vom oben bereits genannten  Michael Thalhofer verfasst. Sie ist eine Mischung aus  Ortsgeschichte und Fremdenverkehrsprospekt, die potenziellen Besuchern die Stadt und die Umgebung Schrobenhausens schmackhaft machen will. Die Broschüre ist 1910 erschienen, das geht aus dem Protokollbuch des Historischen Vereins Schrobenhausen eindeutig hervor.

Die Broschüre von Michael Thalhofer finden Sie hier 

 

Schrobenhausen – Das altbayerische Rothenburg (1930).

Dieses 16-seitige Faltblatt wurde vom Schrobenhausener Verschönerungsverein herausgegeben.  Es ist der erste eigentliche Stadtprospekt, der sich an potenzielle Besucher der Stadt richtet – attraktiv gestaltet mit vielen Bildern.  Die Bezeichnung Schrobenhausens als „altbayerisches Rothenburg“  ist keine eigene Wortprägung des Vereins, sondern taucht schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. So berichtet zum Beispiel die Neue Augsburger Zeitung im Jahr 1912 anlässlich des Schrobenhausener Landwirtschaftsfests: „Das ‚altbayerische Rothenburg‘ – diese ehrenvolle Bezeichnung verdankt es seinem reizenden mittelalterlichen Stadtbilde ….“. Noch um 1960 ist diese Bezeichnung für Schrobenhausen in Gebrauch. Das Erscheinungsdatum des Faltblatts wird im Bibliotheksverbund mit 1930 angegeben.

Das Faltblatt finden Sie hier

 




Die Schrobenhausener Stadtmauer

 

Die Schrobenhausener Stadtmauer umschließt malerisch die Altstadt, sie ist zum großen Teil erhalten und lässt sich am besten bei einem romantischen Spaziergang auf dem Stadtwall erkunden. Eingebunden in die Stadtmauer sind 12 Türme, ursprünglich Wehrtürme, die seit dem 17. Jahrhundert zu Wohnzwecken ausgebaut wurden. Sie dienten Bürgern als Wohnung, die in städtischen Diensten standen, die Turmnamen Hebammenturm, Pflastererturm, Totengräberturm oder Botenturm zeugen noch davon, oder wurden armen Mitbürgern kostenlos überlassen. Heute werden die meisten Türme von Schrobenhausener Vereinen genutzt.

Der Wappenstein Ludwigs des Bärtigen im Eingangsbereich der Pfarrkirche St. Jakob nennt das Jahr 1414 als Beginn der Stadterweiterung mit Bau einer steinernen Mauer. Im Jahr 2014 jährte sich das 600 Jahre. Die Stadt Schrobenhausen bot 2014 ein umfangreiches Programm rund um die Stadtmauer, veranstaltete Stadtmauerführungen und die Türme wurden abwechselnd beleuchtet. Bleibendes Ergebnis war ein Flyer, der im Jahr 2015 erschien und den wir hier im Web-Format präsentieren. Diese ältere Version ist ausführlicher als die derzeit im Umlauf befindliche Version.

 

Download: Flyer über die  Schrobenhausener Stadtmauer




Stadtarchiv Schrobenhausen – auf einen Blick

Stadtarchiv Schrobenhausen

Die Aufgabe des Stadtarchivs ist das Bewahren und Zugänglichmachen der Geschichte der Stadt Schrobenhausen und der zugehörigen Ortsteile. Hierfür werden neben Verwaltungsunterlagen (Urkunden, Protokollbücher und Akten) auch zeitgeschichtliche Dokumente, die aus Schenkungen, Nachlässen oder Ankäufen stammen, verwahrt.

Die Bestände des Stadtarchivs Schrobenhausen:


  • Urkunden
    Städtische wie auch private Urkunden von 1366 bis Anfang des 20. Jahrhunderts


  • Bände und Rechnungen
    unter anderem Ratsprotokolle und Beschlussbücher von 1612-1945, Briefprotokolle von 1657 bis 1807, Stadtkammer-, Spital und Stiftungsrechnungen von 1592-1945


  • Akten der Stadtverwaltung vor 1950
    Beginn in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Darunter etwa 2000 Ansässigmachungen, Verehelichungen und Gewerbekonzessionen zwischen 1820 und 1910.


  • Schlossarchiv Sandizell
    Urkunden, Bände, Rechnungen und Akten aus dem Schloss Sandizell von 1514 bis 1908


  • Gemeindearchive der Ortsteile Edelshausen, Hörzhausen, Mühlried, Sandizell und Steingriff bis zur jeweiligen Eingemeindung zwischen 1972 und 1978


  • Sammlungen
    Karten, Pläne und Fotos sowie eine Sammlung zu unterschiedlichen Themen der Stadtgeschichte, wie zum Beispiel Handwerk, Industrie, Personen, Gebäude und Vereine


  • Bibliothek
    Bücher über Schrobenhausen und Umgebung sowie entsprechende Fachliteratur


Die Benutzung des Lesesaals ist nur nach schriftlicher oder telefonischer Anmeldung möglich.

Telefon: 08252 90-2135

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Diese Übersicht wurde im März 2024 von der städtischen Homepage übernommen und ersetzt die bisherige Übersicht.

 

Stadtarchiv Schrobenhausen

 

Das älteste im Stadtarchiv erhaltene Marktsiegel 1428 Ratsprotokoll aus dem Jahr 1664 Bildarchiv – Marktplatz um 1880

 




Schrobenhausen – Einwohnerentwicklung

 

 




Frühe Werbung in Schrobenhausen

Raumansicht von Mechtild Hofmanns Ausstellung "Frühe Werbung"

Raumansicht von Mechtild Hofmanns Ausstellung „Frühe Werbung in Schrobenhausen“

 

In Erinnerung an Mechtild Hofmann (1944-2020):

„Verführung – Frühe Werbung in Schrobenhausen …“

… so hieß der Titel einer Ausstellung, die die Schrobenhausenerin Mechtild Hofmann zusammengestellt hat und die von Dezember 2007 bis Februar 2008 im Museum im Pflegschloss zu sehen war. Gezeigt wurden Werbeobjekte von Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte der Fünfzigerjahre. Was die ganz verschiedenartigen Exponate verbindet: Sie haben alle mit Schrobenhausen zu tun, hingen entweder in Schrobenhausener Geschäften oder stammen von Schrobenhausener Firmen.

Werbung für Waren des Alltags entstand in größerem Umfang erst mit der Industrialisierung, die in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzt. Der Markt der vorindustriellen Zeit war begrenzt, man produzierte für die Stadt und das Umland. Gute Ware zu einem günstigen Preis, ein kleines Namensschild an der Geschäftstür und Mundpropaganda – das war Werbung genug. Mit der Industrialisierung begann die Massenproduktion, mit der Gewerbefreiheit entstand der freie Warenverkehr, die Eisenbahn eröffnete bis dahin ungeahnte Transportmöglichkeiten.

Viele Waren werden nun im Überschuss produziert, werden in entfernte Gebiete transportiert und sollen dort verkauft werden. Mundpropaganda allein reicht nicht mehr aus für einen ausreichenden Absatz. Die Werbung nimmt einen ersten Aufschwung: Werbung auf Schildern, Plakaten und witterungsfest auf emaillierten Blechschildern, aber auch in den Lokalzeitungen. Auch die größeren Firmen aus Schrobenhausen können sich diesem Trend nicht verschließen und werben ebenfalls mit solchen Mitteln.

Vielfach sind diese interessanten Werbeobjekte nach Gebrauch einfach weggeworfen worden, und doch sind in Kammern und auf Dachböden eine Reihe von ihnen erhalten geblieben. Sie haben Patina angesetzt – und gerade das macht ja ihren Reiz aus: man sieht ihnen an, dass sie ihren Zweck erfüllt haben. Sie gewähren uns Einblick in frühere Zeiten und lassen vielfach auch die Menschen mit ihren Wünschen und Sehnsüchten wieder lebendig werden.

Mechtild Hofmann hat viele dieser alten Objekte ausfindig gemacht, Hintergrundinformationen gesammelt und daraus eine Ausstellung für das Stadtmuseum zusammengestellt. Ausstellungen werden abgebaut, die Eindrücke der Besucher verschwinden allmählich. Daher dachten wir uns damals: Warum nicht einen Kalender herausbringen, der ein ganzes Jahr lang einige der reizvollen, nostalgisch anmutenden Ausstellungsstücke in die Wohnzimmer Schrobenhausens bringt.

Die Zeit verfliegt, der Kalender für das Jahr 2008 ist längst zu Altpapier geworden, die ganze Arbeit umsonst? Wir haben die Bilder und Texte wieder ausgegraben und möchten sie hier präsentieren. Vielleicht ergänzen wir ja die Texte zu den einzelnen Firmen, auch hier hat Mechtild Hofmann uns viel Material hinterlassen.

Mechtild Hofmann ist im Jahr 2020 gestorben. Diese Präsentation soll gleichzeitig eine Erinnerung sein an eine Schrobenhausenerin, die in ihrem Leben zahllose Möbel in Schrobenhausener Haushalten restauriert hat, sehr engagiert in Archiven und im privatem Umfeld geforscht und zusammen mit ihrem Mann Hans-Georg dem Stadtarchiv zahlreiche Dokumentationen mit unzähligen einzigartigen Fotos überlassen hat.

© Max Direktor für Text und alle Fotos

 

Reklame für Kathreiners Malzkaffee

Emailschild 55 cm x 40 cm, um 1900

Delikatessenhandlung Martin Steichele, Lenbachplatz 15

Reklame für Saccharin

Karton 37 cm x 21 cm

Delikatessenhandlung Martin Steichele, Lenbachplatz 15

 

Reklame für Lebewohl-Hühneraugenpflaster. Geprägtes Weißblech 60 cm x 40 cm

Reklame für Lebewohl-Hühneraugenpflaster

Geprägtes Weißblech 60 cm x 40 cm

Drogerie Geiger, Lenbachstraße 56

 

 

Reklame für Hautcreme Max Factor. Karton 90 cm x 68 cm

Reklame für Hautcreme Max Factor

Karton 90 cm x 68 cm

August Hahn, Friseursalon, Lenbachstraße 24

 

 

Reklame für Opel-Fahrräder

Geprägtes Blech 74 cm x 51 cm, 1911

Josef Schoirer, Fahrradhandel, Lenbachplatz 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reklame der Brauerei Kühbach

Emailschild Durchmesser 55 cm, um 1958

Stieglbräu, Lenbachplatz 2

 

Reklame der Post-Brauerei, Lenbachplatz 9

Emailschild 49 cm x 42 cm

Es wurde bis 1949 verwendet

 

Plakat für Post-Caffee, um 1890

71 cm x 35 cm

Delikatessenhandlung Martin Steichele, Lenbachplatz 15

 

Reklame für Kaiser´s Brust-Caramellen

Emailschild 200 cm x 59 cm, Anfang der 20er Jahre

Drogerie Geiger, Lenbachstraße 56

 

Reklame für Lipton´s Tee

Emailschild 180 cm x 31 cm, um 1920

Drogerie Geiger, Lenbachstraße 56

 

 




Schrobenhausen auf alten Landkarten

Alte historische Landkarten haben einen ganz eigenen Reiz. Jahrhunderte lang waren sie in Bibliotheken verschlossen oder in Form von Drucken nur wenigen zugänglich. Im Zeitalter der Digitalisierung können immer mehr dieser Karten zugänglich gemacht werden. Wir beginnen deshalb, einige dieser Karten zu präsentieren, die unsere Region zeigen – entweder als eigenen Scan oder in Form einer Verlinkung.

Der Forscher hat vielfältige Möglichkeiten der Auswertung. Wir als ortsgeschichtlich Interessierte schauen nach, was dem Kartenersteller wichtig war, welche Städte und Orte er aufnahm. Kleine Ortsansichten springen uns an, auch wenn wir wissen, dass diese Miniaturen wohl eben nicht reales Abbild der Wirklichkeit sind. Wir werden diese kleine Sammlung im Lauf der Zeit erweitern.

Über jeden Kartographen gibt es bereits umfangreiche Literatur. Einen ersten Einblick gibt nicht nur Wikipedia, wir empfehlen Recherchen auch in „bavarikon“, dem Portal zu den Kultur- und Wissensschätzen Bayerns (www.bavarikon.de).

Texte & Zusammenstellung: MD.

 

1501 – Etzlaub

Die älteste Landkarte, auf der Schrobenhausen zu finden ist – eine Karte von Erhard Etzlaub aus dem Jahr 1501. Hier ein kleiner Ausschnitt der Karte, die von Dänemark bis Italien reicht. Die Karte ist „gesüdet“, das heißt Italien liegt oben, Dänemark unten. Ungewöhnlich, dass die Stadt Neuburg fehlt. Denkbar wäre, dass Schrobenhausen wegen der alten Reichsstraße von Regensburg nach Augsburg aufgenommen wurde.  Ein hochwertiges Digitalisat der gesamten Karte befindet sich in der Harvard Map Collection der Harvard University und kann hier angesehen und heruntergeladen werden.

 

1568 – Apian

Philipp Apian (1531-1589) – Ausschnitt aus Blatt 13 seiner „Bayrischen Landtafeln“ aus dem Jahr 1568. Der in Ingolstadt geborene und an der dortigen Universität Mathematik lehrende Apian wurde 1554 von Herzog Albrecht beauftragt, eine genaue Karte von Bayern anzufertigen. Das Ergebnis dieser Landesaufnahme bildete eine „große Karte“ mit einer Größe von rund 30 Quadratmetern. Auf Wunsch des Herzogs entstanden 24 kleinformatige Landtafeln, die in der Werkstatt von Jost Amann in Holz geschnitten und im Jahr 1568 im Druck erschienen. Die Stadt Schrobenhausen wird bildhaft dargestellt, mit Stadtmauer, Türmen, Kirche, Häusern, den Flüssen Paar und Weilach und einer Paarbrücke.

 

 

1790 – Reilly

Johann Joseph von Reilly (1766-1820), geboren und gestorben in Wien, war Verleger und Schriftsteller, bekannt wurde er aber vor allem als Kartograph. In verschiedenen kartographischen Großwerken bzw. Bänden stellt er in mehreren hundert Blättern vor allem Europa dar. Der nebenstehende Ausschnitt stammt aus dem Blatt „Des Herzogthums Oberbayern Pfleggerichte Dachau, Crantsperg, Pfaffenhofen, Mainburg, Neustadt, Abensperg, (…) Ingolstadt, Schrobenhausen (…) oder des Rentamts München nördlicher Theil“. Die Karte ist undatiert und entstand wohl um 1790 (genauere Datierung ist angestrebt). Besonders klar dargestellt sind hier vor allem die Grenzen des alten Pfleggerichts Schrobenhausen.

 

 

1805 – Riedl 

Karte aus dem „Reise Atlas von Bajern“ des Münchner Kartographen Adrian von Riedl (1746-1809). Der aus einer Kartographenfamilie stammende Riedl wurde bereits 1766 zum Landgeometer ernannt und 1769 mit der Dokumentation des bayerischen Straßennetzes beauftragt. Seit 1790 Direktor der Straßen- und Wasserbauverwaltung, hat er sich auch um die Trockenlegung des Donaumooses verdient gemacht. Die nebenstehende Karte stammt aus seinem „Reise-Atlas“, der im Zeitraum von 1796 bis 1805 entstand und der auf 66 Karten alle bayerischen Haupt- und Landstraßen und die wichtigsten anliegenden Orte darstellt. Datiert wird die Karte auf das Jahr 1805. Riedl war außerdem Herausgeber von rund 400 handgezeichneten Landkarten und Plänen, darunter auch des auf 1792 datierten „Plans der unter der Cultur stehenden churfürstlichen Schrobenhausener oder Donauer Lehen Mooses“.




Schrobenhausen – eine kurze Stadtgeschichte

 

Schrobenhausen kann auf eine über 1200-jährige schriftliche Überlieferung zurückblicken. Neuere archäologische Erkenntnisse zeigen jedoch, dass schon Römer im Altstadtbereich gesiedelt haben.

Um 200

Im zweiten Jahrhundert nach Christus ist südlich der Stadtpfarrkirche St. Jakob eine „villa rustica“ nachgewiesen, ein römischer Gutshof. Spätestens seit dem Einfall der Alemannen scheint die kleine Ansiedlung jedoch wieder aufgegeben worden sein.

Um 790

Schrobenhausen wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Um 790 schenkt ein gewisser Adalo seinen Grundbesitz zu „scropinhusun“ der Domkirche von Freising. Der Ortsname wird als „zu den Häusern des Scropo“ gedeutet. Als um das Jahr 887 Bischof Waldo den Besitz der Bischofskirche in Schrobenhausen gegen Besitzungen des Grafen Jezo in Jetzendorf vertauscht, wird zum ersten Mal eine Kirche erwähnt. Danach taucht Schrobenhausen in den überlieferten Quellen über zwei Jahrhunderte nicht mehr auf.

1310

Im zwölften Jahrhundert ist Schrobenhausen Sitz eines lokalen Edelgeschlechts, der Marschalken von Schrobenhausen. In einem Teilungsvertrag der Wittelsbacher Herzöge Rudolf und Ludwig IV. aus dem Jahr 1310 wird der um eine Burganlage gewachsene Ort zum ersten Mal als Markt bezeichnet. Aus dem Jahr 1328 ist das erste Marktsiegel überliefert, den Bärenkopf finden wir noch heute im Stadtwappen. Im Jahr 1333 gewährt Kaiser Ludwig der Bayer dem Markt eine gewisse Autonomie vom Landgericht Aichach, ein Satzungsrecht in bürgerlichen Angelegenheiten und ein eigenes Maß und Gewicht.

1388

Die Aufwärtsentwicklung wird jäh unterbrochen: Schrobenhausen wird im Bayerischen Städtekrieg fast völlig niedergebrannt. Die Landesherrn, die Interesse an der Entwicklung der Städte und Märkte hatten, weil diese den wirtschaftlichen Aufschwung förderten und damit das Steueraufkommen erhöhten, befreiten Schrobenhausen daher 20 Jahre von der Steuer, um den Wiederaufbau zu fördern.

1392

Bei einer erneuten Teilung Bayerns kommt Schrobenhausen zum Herzogtum Bayern-Ingolstadt. In den wenigen Jahrzehnten, in denen dieses Herzogtum bestand, wurden die entscheidenden Weichen für die Zukunft Schrobenhausens gestellt. Umfangreiche Privilegien (Salz- und Weinniederlage, Pflasterzoll, Getränkesteuer) schufen wichtige finanzielle Grundvoraussetzungen für Schrobenhausens Aufstieg.

1414

Mit dem Wiederaufbau wird auch das befestigte Stadtgebiet vergrößert und mit dem Bau einer steinernen Stadtmauer begonnen. Der Stadtwall, die Stadtmauer und die Stadtgräben zeugen noch vom großen Befestigungswerk des 15. Jahrhunderts. Herzog Ludwig der Bärtige ließ zum Andenken an den Bau der Stadtbefestigung einen Gedenkstein fertigen, der sich heute im Eingangsbereich der Stadtpfarrkirche St. Jakob befindet.

1421

Schrobenhausen löst sich aus dem Gericht Aichach und bildet nun ein eigenständiges Gericht Schrobenhausen, das über Jahrhunderte als eigenständige Gerichts- und Verwaltungseinheit von Bedeutung ist: zuerst als Pfleg-, dann als Landgericht, ab 1861 als Bezirksamt und schließlich als Landkreis. Spätestens seit Mitte des 15. Jahrhunderts bestand in Schrobenhausen ein eigenes Mooslehengericht. Es übte die Gerichtsbarkeit über das gesamte Donaumoos aus, das deshalb in den alten Urkunden oft „Schrobenhausener Moos“ genannt wid.

1447

Herzog Heinrich der Reiche von Landshut besetzt das Ingolstädter Herzogtum, Schrobenhausen kommt zum Herzotum Bayern-Landshut. Der Herzog bestätigt den Schrobenhausenern am 27. Juni 1447 ihre althergebrachten Rechte. In dieser Urkunde trägt Schrobenhausen zum ersten Mal die Bezeichnung „Stadt“ .

17. und 18. Jahrhundert

Schrobenhausen wird von mehreren Kriegen heimgesucht, doch nicht zerstört. Seuchen und Verwüstungen auf dem Land führen jedoch zum Teil zu erheblichem Bevölkerungsrückgang, Plünderungen und hohe Kontributionen behindern die wirtschaftliche Weiterentwicklung.

1806

Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation entsteht 1806 das Königreich Bayern, Schrobenhausen wird „königlich-bayerische Stadt“ mit magistratischer Verfassung. Die Neueinteilung nach Verwaltungsbezirken brachte Schrobenhausen im Jahr 1808 zum Lechkreis, 1810 zum Isarkreis mit der Hauptstadt München, 1817 zum Oberdonaukreis mit der Hauptstadt Augsburg und 1837 schließlich zu Oberbayern.

19. Jahrhundert

Die Stadt wurde Jahrhunderte lang geprägt von kleinen Handwerks- und Gewerbebetrieben, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnt die Industrialisierung – deutlich früher und stärker ausgeprägt als in vielen anderen bayerischen Kleinstädten. Georg Leinfelder baut die von seinem Vater übernommene traditionsreiche Papiermühle um und installiert im Jahr 1869 die erste gewerblich genutzte Dampfmaschine in Schrobenhausen. Daneben erringt die aus einer Knopf- und Hartfasswarenfabrik entstandene „Devotionalienfabrik“ Poellath auf der Weltausstellung in Wien bereits im Jahr 1873 internationale Auszeichnungen. Die Eröffnung der Paartalbahn im Jahr 1875 förderte die wirtschaftliche Entwicklung. Weitere Industriebetriebe entstehen, so ein größeres Dampfsägewerk, eine kleine Kork- und eine Möbelfabrik.

1900

Die gewerbliche Entwicklung schlägt sich auch im Wachstum der Bevölkerung nieder. Die Bevölkerung in Deutschland nimmt während der Industrialisierung stark zu, viele Menschen wandern von kleinen Gemeinden in die Städte und Großstädte ab. Schrobenhausens Bevölkerungszunahme verläuft etwa im gleichen Tempo wie im Deutschen Reich: Von 1.840 Einwohnern im Jahr 1840 konnte die Stadt die Einwohnerzahl bis 1900 etwa verdoppeln und bis 1939 verdreifachen.

1946

Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte für Schrobenhausen einen enormen Bevölkerungszustrom durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene: Die Bevölkerung wächst auf über 8.000 Einwohner, um mehr als 50 % Prozent gegenüber 1939. Die Folge ist eine bis dahin nicht gekannte Ausweitung des Stadtgebiets, die schließlich auch zum Zusammenwachsen der Orte Schrobenhausen, Mühlried und Steingriff führt.

1950

Neue Industriebetriebe entstehen. Im Jahr 1938 war die Kartoffelflocken- und Stärkefabrik (heute „Südstärke“) als wichtiger neuer Industriebetrieb gegründet worden, 1948 eine Photochemische Fabrik (heute „Agfa“). Im Jahr 1958 siedelt sich Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB, heute Tochtergesellschaften der EADS) an, 1960 die Firma Ytong. Seit den fünfziger Jahren schließlich entwickelt sich die Firma Bauer, hervorgegangen aus einer Kupferschmiede, mit der Erfindung des Beton-Injektionsankers in kurzer Zeit zur Weltfirma und ist heute mit weltweit 4.000 Beschäftigen mit Abstand die größte Firma im Landkreis.

1972

Die lange diskutierte Gebietsreform bringt für Schrobenhausen mehrere tiefgreifende Einschnitte. Die bis dahin eigenständigen Landkreise Neuburg und Schrobenhausen werden zum Landkreis Neuburg-Schrobenhausen zusammengelegt, Schrobenhausen verliert den Hauptsitz von mehreren Behörden. Doch ist auf der anderen Seite mit den Eingemeindungen von Steingriff (1971), Hörzhausen (1971), Sandizell (1972) sowie Mühlried mit Edelshausen (1978) ein enormer Bevölkerungszuwachs verbunden – ein Zuwachs auf 15.000 Einwohner und damit von über 60 Prozent in weniger als 10 Jahren.

 

Steingriff

um 1190 zum ersten Mal urkundlich erwähnt – verdankt seinen Namen der alten Flurbezeichnung „steinin gruft“, was mit steinige Vertiefung übersetzt wird. Es war jahrhundertelang Sitz einer kleinen Hofmark, das Schloss wurde Anfang der 50er Jahre in ein Altenheim umgebaut. Seit der Jahrhundertwende hatte die wirtschaftliche Verflechtung mit der Stadt ständig zugenommen.

 

Hörzhausen

kann auf eine 1100-jährige Vergangenheit zurückblicken. Es wird bereits um 890 als Heridioshusun erwähnt, was „zu den Häusern des Herideo“ übersetzt wird. Hörzhausen war im Mittelalter Sitz einer ausgedehnten Grafschaft mit dem Gebietsschwerpunkt zwischen Aichach und Schrobenhausen, seit dem 16. Jahrhundert Edelsitz.

 

Mit Sandizell

verbindet sich der Name eines Adelsgeschlechts, das sich bis tief ins Mittelalter zurückverfolgen lässt und so zu den ältesten Bayerns gehört. Sandizell war eine bedeutende Hofmark, kann ein prächtiges Wasserschloss vorweisen und besitzt eine der schönsten Dorfkirchen Altbayerns, dessen Altar vom berühmten bayerischen Bildhauer Egid Qurin Asam gestaltet wurde.

 

Mühlried

benannt nach den seit dem 11. Jahrhundert nachgewiesenen Paarmühlen – kann von allen Ortsteilen die stürmischste Bevölkerungsentwicklung aufweisen: Es konnte seine Einwohnerzahl von 434 im Jahr 1840 auf 3.500 heute verachtfachen. Auch Mühlried hatte seit der Jahrhundertwende, verstärkt nach 1945, eine enge Beziehung zur Stadt entwickelt.

 

Edelshausen

wird bereits um 790 als Zetileshusun urkundlich erwähnt, wobei ein Adliger names Zetil als Namensgeber des Ortes auftaucht. Auch Edelshausen war Jahrhunderte lang Sitz einer Hofmark, die seit dem 15. Jahrhundert einer Sandizeller Seitenlinie gehörte und im 18. Jahrhundert wieder zum Stammhaus Sandizell zurückfiel. In Edelshausen stand ursprünglich ein Schloss, heute erinnert der Gutshof Egle noch an den Sandizeller Gutskomplex.

 

Schrobenhausen heute

Mittelzentrum mit knapp 17.000 Einwohnern, Mittelpunkt des bekanntesten bayerischen Spargelanbaugebiets, industriell leistungsfähig mit zahlreichen überregional und international tätigen Industriefirmen wie Leinfelder, Poellath, Bauer, MBDA, Südstärke, Ytong oder Agfa.

Max Direktor




Der Europäische Oxenweg oder „Wildwest in Mitteleuropa“

Die Vorstellung vermittelt ein Flair von Wildem Westen: Zwischen 1350 und 1750 wurden jährlich bis zu 200.000 Grauochsen aus der ungarischen Tiefebene nach Mitteleuropa getrieben, um den Fleischhunger der Bürger in den aufstrebenden Städten zu stillen. Die Herden umfassten meist zwischen 50 und 200 Tiere und mussten bis zu ihrem Ziel oft 1.000 Kilometer zurücklegen. Wichtige Ziele in Süddeutschland waren Nürnberg und Augsburg, die damals zu den bedeutendsten Handelsstädten Europas zählten. Ein wichtiger Triebweg führte auch durch das Schrobenhausener Land.

Gefördert durch Mittel der EU haben Leader-Aktionsgruppen in Ungarn, Österreich und Bayern diese alten Kulturwege wieder ins Gedächtnis gerufen und touristisch erschlossen. In Bayern beteiligte sich auch die regionale LEADER-Aktionsgruppe Altbayerisches Donaumoos.

Der Filmemacher Axel Mölkner-Kappl hat einen Film über das Thema zusammengestellt, in dem auch die am LEADER-Projekt beteiligten Regionen vorgestellt werden, darunter auch das Schrobenhausener Land.

Die Schreibweise „Oxen“ orientiert sich an der in historischen Quellen üblichen Schreibweise. Sie soll zugleich eine Verwechslung mit dem „Ochsenweg“ in Schleswig-Holstein und Dänemark vermeiden.

Weitere Beiträge über den Oxenweg werden im Lauf der Zeit folgen.

Axel Mölkner-Kappl lebt in Neuburg, arbeitet auch für den Bayerischen Rundfunk und nicht selten über Themen aus unserem Landkreis. Näheres über sein umfangreiches Schaffen erfahren Sie auf seiner Homepage. 

 

Den Film jetzt ansehen