Schrobenhausen: Von der kleinen Stadt und ihrem großen Mann

Vor 35 Jahren: Kulturpolitische Betrachtungen aus dem Jahr 1987


Kultur in Schrobenhausen: Der nachfolgende, unverändert wiedergegebene Text entstand im Juli 1987 als durchaus subjektive Bestandsaufnahme des Schrobenhausener Kulturlebens und seiner Entwicklungsmöglichkeiten. Inklusive eines mehr oder weniger „prophetischen“ Blickes auf die damals künftige und heute zur Gegenwart gewordene Rezeption des Schrobenhausener Rathauses.


Vor allem sind es die Maler, die das kulturelle Selbstverständnis der Stadt Schrobenhausen prägen. Da ist natürlich an erster Stelle Franz von Lenbach, 1836 hier geboren und 1904 in München gestorben. Der einstmals weltberühmte Porträtist blieb bis heute der eine große Mann, den ein gnädiges Schicksal häufig auch den kleinen Städten schenkt, auf daß sie Halt an ihm finden, sich anlehnnen können auf der Suche nach Identität.

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Derlei Bedürfnis freilich kann höchst unterschiedlich befriedigt werden. Auch Franz von Lenbach blieb es nicht erspart, seinen Namen den eher profanen Dingen dieser Welt leihen zu müssen, vom Lenbach-Bock bis hin zum Lenbach-Schinken. Und das liebgewonnene Etikett „Lenbachstadt Schrobenhausen“ wird vielleicht ab und an etwas überstrapaziert. Daß das in aller Welt seiner komischen Seiten nicht entbehrende Verhältnis zwischen großem Mann und kleiner Stadt kein ehernes Naturgesetz zu sein braucht, bewies 1986 zum 150. Geburtstag des Malers eine Gedächtnisausstellung von solcher Qualität, daß sie den Feuilletonisten aller großen deutschen Zeitungen einer anerkennenden Rezension würdig schien. So hat sich Schrobenhausen um seinen „großen Sohn“ einmal wirklich verdient gemacht.

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Was nach Ansicht so mancher Leute nicht immer der Fall war. Denn justament das größte Vermächtnis Lenbachs, der prunkvolle, von ihm gestiftete und nach ihm benannte Saal im alten Rathaus fiel gemeinsam mit diesem im Jahre 1967 der Spitzhacke – oder realistischer gesprochen – den Abbruchbaggern zum Opfer. Seither ist es schwierig geworden, über Schrobenhausen zu schreiben. Soll man die Tat, 20 Jahre nach ihrer Vollführung, nun wie vielfach gewünscht endlich totschweigen? Oder soll man einstimmen in die mittlerweile schon fast modische Klage über den herben Verlust? Welch letzteres bei Besuchern der Stadt, in Wort und Bild entsprechend verbreitet, häufig eine gespannt-mitleidige Erwartungshaltung à la „Zeig mir deine Wunde!“ auslöst. Aber vielleicht gibt es da noch einen dritten Weg. Der könnte zu der dreisten Behauptung führen: In nicht allzu ferner Zeit wird die Kunstgeschichte das moderne Schrobenhausener Rathaus, so wie es dasteht, preisen als die einzige eigenständige und architektonisch ernstzunehmende Leistung Schrobenhausenes im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts! Mag diese Behauptung zu Zeiten der Hochkonjunktur eines neuen „Historismus“, in dessem Geiste die funktionslosen Erkerlein aus den Neubauten sprießen wie die kontaminierten Schwammerl im Walde, auch noch so ketzerisch anmuten! Wetten, daß die Zeit kommt …

Lenbachsaal im Alte Rathaus Schrobenhausen

Lenbachsaal im Alten Rathaus Schrobenhausen

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Und bis es soweit ist, muß man das alte Rathaus halt noch wie eine Reliquie beim Schrannenfest als Modell durch die Straßen fahren. Womit ein weiteres Stichwort gefallen ist. Der Schrobenhausener Verkehrsverein hat den Bürgern, die noch vor wenigen Jahren dem Zeitgeist huldigend muffig hinter ihren Fernsehern saßen, das Feiern wieder beigebracht. Zum Schrannenfest 15 000 Besucher an einem Sonntagnachmittag, wie erst vor wenigen Tagen wieder der Fall, zeigen, daß die Vereinzelung doch wieder der Pflege von Gemeinsamkeit weicht. Und das ist der Urgrund kulturellen Lebens.

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Zum Beispiel – um nur eines zu nennen – im Bereich der Musik: Seit Gründung der Städtischen Musikschule im Jahre 1973 wächst eine neue Generation von Kindern und Jugendlichen heran, für die Musik nicht mehr primär ein Konserven-Erlebnis, sondern aktive Gestaltungsleistung bedeutet. So ist zur erfreulichen Tradition gehobener geistlicher Musik ein Neubeginn auf dem „profanen Sektor“ hinzugekommen.

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Freilich, es gibt sie noch, jene vermeintlich Feinsinnigen, die mit ihrem Los hadern, daß ein ach so erbarmungsloses Schicksal sie nach Schrobenhausen verschlagen hat. (Warum, bitteschön, bleiben sie dann?) Die das rechte Verhältnis zu Produktionsbedingungen und Erlebnismöglichkeiten von Kultur in der Kleinstadt einfach nicht zu finden vermögen. Die ihrer gequälten Seele ausschließlich durch Kulturkonsum in den großen Metropolen Linderung verschaffen können. Oder – und da wird es dann schlimm – sich mit Sendungsbewußtsein anschicken, das Gesellschaftsstück „Jetzt spielen wir Kultur!“ zu inszenieren, ohne zu merken, wie es zur eigentlichen Provinzposse wird.

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Doch gerade auch aus solchen Spannungsfeldern heraus wird die Vitalität kleinstädtischer Kultur gespeist. Deren Chancen und Grenzen zu erkennen, ohne ständig an Türen zu drücken, auf denen „Ziehen!“ steht, macht in Schrobenhausen seit Jahren sichtbare Fortschritte.

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Wenn eingangs von Malern die Rede war: Besonders auswärtigen Beobachtern ist in letzter Zeit immer wieder aufgefallen, daß das kleine Schrobenhausen mehr Maler sein eigen nennt, als ihm der Statistik nach eigentlich zustünde. In der Tat erstaunt es, wenn in einem nur gut 15 000 Einwohner zählenden Städtchen bar vordergründiger landschaftlicher Attraktionen nicht weniger als sechs freischaffende Maler und Bildhauer sowie eine ganze Reihe weiterer Künstler leben und arbeiten. Mit Lenbach hat das übrigens gar nichts zu tun! Hier eine Pseudo-Kontinuität herbeizuzwingen, hieße Heimatgeschichtsschreibung als spießbürgerliche Selbstbeweihräucherung zu betreiben.

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Bleibt nur zu hoffen, daß man in Schrobenhausen mit derlei Talenten auch zu wuchern versteht. Denn die Mitglieder dieser „Künstlergemeinde“ sind mehrheitlich noch relativ jung. Sie entwickeln sich weiter. Und es wäre schade, wenn sie eines Tages feststellen müßten, daß die Mauern zu eng werden …

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Womit wir bei den Mauern wären: Die Stadtmauer, der Stadtwall mit seinen prächtigen Bäumen, die immer noch den außerordentlichen optischen Reiz des Schrobenhausener Ensembles bilden, sind in den letzten zehn Jahren mehr und mehr als das große Kapital erkannt worden, mit dem sorgsam umzugehen Früchte trägt. Und um dem „Außen hui – innen pfui“ einer immer autogerechter gewordenen Altstadt entgegenzuwirken, hat man nun Gottseidank mit einer Stadtsanierung begonnen, die noch beispielshaft werden könnte. Vorausgesetzt, die politischen Entscheidungsträger lassen sich vom Druck horizont- wie perspektiveloser Vertreter von Partikularinteressen nicht zur Gänze den Schneid abkaufen.

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So manches ist erreicht. So manches erhofft man sich zurecht. So manches ist aussichtslos. Alles in allem läßt sich damit ganz gut leben. Das klingt vielleicht verhalten-miesmacherisch zu Zeiten, wo Selbstdarstellungsorgien, mit denen man sich in die eigene Tasche zu lügen pflegt, die Regel geworden sind. es ist aber durchaus als Kompliment gemeint. Als Kompliment für ein Schrobenhausen, das manchmal weniger Provinz ist, als der provinzielle Geist seiner Kritiker zu begreifen vermag.




Schrobenhausen: Alte Chroniken und Gesamtdarstellungen

Stadtchroniken oder ausführlichere Gesamtdarstellungen über Schrobenhausen sind dünn gesät und ausnahmslos älteren Datums. Zu Beginn steht die Chronik eines zu wenig gewürdigten Professors für Mathematik, des in Schrobenhausen gebürtigen Thaddäus Siber aus dem Jahr 1817. Es folgt 1850 das Chronikon des Geistichen Michael Fick, im Jahr 1858 eine kurze Chronik des aus Schrobenhausen stammenden Geistlichen Johann Evangelist Waldvogl. Eine im Wochenblatt 1886-1887 erschienene Chronik des späteren Ehrenbürgers Michael Thalhofer ist so gut wie unbekannt. Da die Urheberrechte dieser Werke erloschen sind, können wir sie hier präsentieren oder auf die Digitalisate im öffentlichen Bibliotheksnetz verlinken.

Danach folgen nur noch kürzere Gesamtdarstellungen, so von Georg August Reischl in der Zeitschrift „Bayerland“ im Jahr 1937 und im allgemein geschätzten Sammelwerk „Landkreis Schrobenhausen“ 1963. Das Buch „Stadt Schrobenhausen. Erzähltes zur Geschichte“ von Werner Vitzthum bringt zahlreiche Aspekte der Stadtgeschichte, ist aber im Wesentlichen eine Sammlung von Zeitungsartikeln des Autors.

Wir präsentieren oder verlinken hier auf alle Werke, bei denen das Urheberrecht erloschen ist. Alle anderen Titel hat das Stadtarchiv präsent.

Wir werden im Lauf der Zeit die Biographien der Chronisten ergänzen und versuchen, die Bedeutung ihrer Chroniken einzuschätzen. Manches erscheint heute überholt, viele Informationen sind aber auch heute noch für die Stadtgeschichte bedeutsam.

 

Thaddäus (Thadde) Siber, 1774 geb. in Schrobenhausen, Benediktinerpriester, Professor für Mathematik und Physik, beschäftigte sich mit der Geschichte seiner Heimatstadt und veröffentlichte 1817 seine „Historisch-statistischen Notitzen“ im zeitgenössischen „Landwehr-Almanach“, die als erste Schrobenhausener Chronik gelten können.

Thadde Sibers Chronik finden Sie hier

 

Michael Fick (1807-1877), geboren in Hohenwart, zunächst Lehrer in Schrobenhausen, nach dem frühen Tod seiner Frau Studium der Theologie, dann ab 1842 Kaplan und danach Benefiziat Schrobenhausen. Er erweiterte das von Benefiziat Anton Ertlmair begonnene „Chronicon“ und veröffentlichte es bogenweise als Beilage im Schrobenhausener Wochenblatt. Besonders reizvoll sind drei Stiche, eine Ansicht von Schrobenhausen, eine Marktszene auf dem Schrannenplatz und eine Ansicht von Hohenwart. Wir werden diese Stiche in besserer Qualität auf unserer Homepage nachreichen.

Michael Ficks Chronikon finden Sie hier 

 

Johann Evangelist Waldvogel (1804-1855). Bisher war wenig zu seiner Biographie bekannt. Geboren in Schrobenhausen, studierte er Theologie und war ab 1838 katholischer Stadtpfarrer in Nördlingen. Im Jahr 1855 starb er in Loppenhausen, kurz nachdem ihm diese Pfarrei im Landgericht Mindelheim verliehen worden war. Im Jahr 1858 erschien seine „Historische Skizze von Schrobenhausen“.Genauere biographische Angaben finden sich hier.

Johann Evangelist Waldvogls Chronik finden Sie hier 

 

Michael Thalhofer (1855-1929) stammte aus Aichach, studierte Theologie, wurde ab 1877 zunächst Kaplan in Schrobenhausen und war danach hier rund ein halbes Jahrhundert Benefiziat. Er war Gründungsmitglied und Schriftführer des Historischen Vereins, hielt Vorträge und veröffentlichte wichtige Beiträge zur Schrobenhausener Geschichte.  Heute zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist seine Chronik  „Zur Schrobenhauser Geschichte“, die in zahlreichen Folgen in den Schrobenhausener Wochenblättern 1886 bis 1888 erschien – und die wir hier als Kopie aus den Zeitungsbänden präsentieren.  Im Jahr 1927 verlieh ihm die Stadt Schrobenhausen für seine Verdienste das Ehrenbürgerrecht. Mehr biographie Daten und Veröffentlichungen von Michael Thalhofer finden Sie hier

Michael Thalhofers Chronik finden Sie hier 

 

 

Schrobenhausen, seine Geschichte, Sehenswürdigkeiten und Umgebung (1910).

Die 24-seitige Broschüre, herausgegeben vom Historischen Verein Schrobenhausen, wurde vom oben bereits genannten  Michael Thalhofer verfasst. Sie ist eine Mischung aus  Ortsgeschichte und Fremdenverkehrsprospekt, die potenziellen Besuchern die Stadt und die Umgebung Schrobenhausens schmackhaft machen will. Die Broschüre ist 1910 erschienen, das geht aus dem Protokollbuch des Historischen Vereins Schrobenhausen eindeutig hervor.

Die Broschüre von Michael Thalhofer finden Sie hier 

 

Schrobenhausen – Das altbayerische Rothenburg (1930).

Dieses 16-seitige Faltblatt wurde vom Schrobenhausener Verschönerungsverein herausgegeben.  Es ist der erste eigentliche Stadtprospekt, der sich an potenzielle Besucher der Stadt richtet – attraktiv gestaltet mit vielen Bildern.  Die Bezeichnung Schrobenhausens als „altbayerisches Rothenburg“  ist keine eigene Wortprägung des Vereins, sondern taucht schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. So berichtet zum Beispiel die Neue Augsburger Zeitung im Jahr 1912 anlässlich des Schrobenhausener Landwirtschaftsfests: „Das ‚altbayerische Rothenburg‘ – diese ehrenvolle Bezeichnung verdankt es seinem reizenden mittelalterlichen Stadtbilde ….“. Noch um 1960 ist diese Bezeichnung für Schrobenhausen in Gebrauch. Das Erscheinungsdatum des Faltblatts wird im Bibliotheksverbund mit 1930 angegeben.

Das Faltblatt finden Sie hier

 




Die Schrobenhausener Stadtmauer

 

Die Schrobenhausener Stadtmauer umschließt malerisch die Altstadt, sie ist zum großen Teil erhalten und lässt sich am besten bei einem romantischen Spaziergang auf dem Stadtwall erkunden. Eingebunden in die Stadtmauer sind 12 Türme, ursprünglich Wehrtürme, die seit dem 17. Jahrhundert zu Wohnzwecken ausgebaut wurden. Sie dienten Bürgern als Wohnung, die in städtischen Diensten standen, die Turmnamen Hebammenturm, Pflastererturm, Totengräberturm oder Botenturm zeugen noch davon, oder wurden armen Mitbürgern kostenlos überlassen. Heute werden die meisten Türme von Schrobenhausener Vereinen genutzt.

Der Wappenstein Ludwigs des Bärtigen im Eingangsbereich der Pfarrkirche St. Jakob nennt das Jahr 1414 als Beginn der Stadterweiterung mit Bau einer steinernen Mauer. Im Jahr 2014 jährte sich das 600 Jahre. Die Stadt Schrobenhausen bot 2014 ein umfangreiches Programm rund um die Stadtmauer, veranstaltete Stadtmauerführungen und die Türme wurden abwechselnd beleuchtet. Bleibendes Ergebnis war ein Flyer, der im Jahr 2015 erschien und den wir hier im Web-Format präsentieren. Diese ältere Version ist ausführlicher als die derzeit im Umlauf befindliche Version.

 

Download: Flyer über die  Schrobenhausener Stadtmauer




Stadtarchiv Schrobenhausen – auf einen Blick

Stadtarchiv Schrobenhausen

Die Aufgabe des Stadtarchivs ist das Bewahren und Zugänglichmachen der Geschichte der Stadt Schrobenhausen und der zugehörigen Ortsteile. Hierfür werden neben Verwaltungsunterlagen (Urkunden, Protokollbücher und Akten) auch zeitgeschichtliche Dokumente, die aus Schenkungen, Nachlässen oder Ankäufen stammen, verwahrt.

Die Bestände des Stadtarchivs Schrobenhausen:


  • Urkunden
    Städtische wie auch private Urkunden von 1366 bis Anfang des 20. Jahrhunderts


  • Bände und Rechnungen
    unter anderem Ratsprotokolle und Beschlussbücher von 1612-1945, Briefprotokolle von 1657 bis 1807, Stadtkammer-, Spital und Stiftungsrechnungen von 1592-1945


  • Akten der Stadtverwaltung vor 1950
    Beginn in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Darunter etwa 2000 Ansässigmachungen, Verehelichungen und Gewerbekonzessionen zwischen 1820 und 1910.


  • Schlossarchiv Sandizell
    Urkunden, Bände, Rechnungen und Akten aus dem Schloss Sandizell von 1514 bis 1908


  • Gemeindearchive der Ortsteile Edelshausen, Hörzhausen, Mühlried, Sandizell und Steingriff bis zur jeweiligen Eingemeindung zwischen 1972 und 1978


  • Sammlungen
    Karten, Pläne und Fotos sowie eine Sammlung zu unterschiedlichen Themen der Stadtgeschichte, wie zum Beispiel Handwerk, Industrie, Personen, Gebäude und Vereine


  • Bibliothek
    Bücher über Schrobenhausen und Umgebung sowie entsprechende Fachliteratur


Die Benutzung des Lesesaals ist nur nach schriftlicher oder telefonischer Anmeldung möglich.

Telefon: 08252 90-2135

E-Mail: stadtarchiv@schrobenhausen.de

 

Adresse: Rathaus, Lenbachplatz 18, 86529 Schrobenhausen

Diese Übersicht wurde im März 2024 von der städtischen Homepage übernommen und ersetzt die bisherige Übersicht.

 

Stadtarchiv Schrobenhausen

 

Das älteste im Stadtarchiv erhaltene Marktsiegel 1428 Ratsprotokoll aus dem Jahr 1664 Bildarchiv – Marktplatz um 1880

 




Schrobenhausen – Einwohnerentwicklung

 

 




Frühe Werbung in Schrobenhausen

Raumansicht von Mechtild Hofmanns Ausstellung "Frühe Werbung"

Raumansicht von Mechtild Hofmanns Ausstellung „Frühe Werbung in Schrobenhausen“

 

In Erinnerung an Mechtild Hofmann (1944-2020):

„Verführung – Frühe Werbung in Schrobenhausen …“

… so hieß der Titel einer Ausstellung, die die Schrobenhausenerin Mechtild Hofmann zusammengestellt hat und die von Dezember 2007 bis Februar 2008 im Museum im Pflegschloss zu sehen war. Gezeigt wurden Werbeobjekte von Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte der Fünfzigerjahre. Was die ganz verschiedenartigen Exponate verbindet: Sie haben alle mit Schrobenhausen zu tun, hingen entweder in Schrobenhausener Geschäften oder stammen von Schrobenhausener Firmen.

Werbung für Waren des Alltags entstand in größerem Umfang erst mit der Industrialisierung, die in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzt. Der Markt der vorindustriellen Zeit war begrenzt, man produzierte für die Stadt und das Umland. Gute Ware zu einem günstigen Preis, ein kleines Namensschild an der Geschäftstür und Mundpropaganda – das war Werbung genug. Mit der Industrialisierung begann die Massenproduktion, mit der Gewerbefreiheit entstand der freie Warenverkehr, die Eisenbahn eröffnete bis dahin ungeahnte Transportmöglichkeiten.

Viele Waren werden nun im Überschuss produziert, werden in entfernte Gebiete transportiert und sollen dort verkauft werden. Mundpropaganda allein reicht nicht mehr aus für einen ausreichenden Absatz. Die Werbung nimmt einen ersten Aufschwung: Werbung auf Schildern, Plakaten und witterungsfest auf emaillierten Blechschildern, aber auch in den Lokalzeitungen. Auch die größeren Firmen aus Schrobenhausen können sich diesem Trend nicht verschließen und werben ebenfalls mit solchen Mitteln.

Vielfach sind diese interessanten Werbeobjekte nach Gebrauch einfach weggeworfen worden, und doch sind in Kammern und auf Dachböden eine Reihe von ihnen erhalten geblieben. Sie haben Patina angesetzt – und gerade das macht ja ihren Reiz aus: man sieht ihnen an, dass sie ihren Zweck erfüllt haben. Sie gewähren uns Einblick in frühere Zeiten und lassen vielfach auch die Menschen mit ihren Wünschen und Sehnsüchten wieder lebendig werden.

Mechtild Hofmann hat viele dieser alten Objekte ausfindig gemacht, Hintergrundinformationen gesammelt und daraus eine Ausstellung für das Stadtmuseum zusammengestellt. Ausstellungen werden abgebaut, die Eindrücke der Besucher verschwinden allmählich. Daher dachten wir uns damals: Warum nicht einen Kalender herausbringen, der ein ganzes Jahr lang einige der reizvollen, nostalgisch anmutenden Ausstellungsstücke in die Wohnzimmer Schrobenhausens bringt.

Die Zeit verfliegt, der Kalender für das Jahr 2008 ist längst zu Altpapier geworden, die ganze Arbeit umsonst? Wir haben die Bilder und Texte wieder ausgegraben und möchten sie hier präsentieren. Vielleicht ergänzen wir ja die Texte zu den einzelnen Firmen, auch hier hat Mechtild Hofmann uns viel Material hinterlassen.

Mechtild Hofmann ist im Jahr 2020 gestorben. Diese Präsentation soll gleichzeitig eine Erinnerung sein an eine Schrobenhausenerin, die in ihrem Leben zahllose Möbel in Schrobenhausener Haushalten restauriert hat, sehr engagiert in Archiven und im privatem Umfeld geforscht und zusammen mit ihrem Mann Hans-Georg dem Stadtarchiv zahlreiche Dokumentationen mit unzähligen einzigartigen Fotos überlassen hat.

© Max Direktor für Text und alle Fotos

 

Reklame für Kathreiners Malzkaffee

Emailschild 55 cm x 40 cm, um 1900

Delikatessenhandlung Martin Steichele, Lenbachplatz 15

Reklame für Saccharin

Karton 37 cm x 21 cm

Delikatessenhandlung Martin Steichele, Lenbachplatz 15

 

Reklame für Lebewohl-Hühneraugenpflaster. Geprägtes Weißblech 60 cm x 40 cm

Reklame für Lebewohl-Hühneraugenpflaster

Geprägtes Weißblech 60 cm x 40 cm

Drogerie Geiger, Lenbachstraße 56

 

 

Reklame für Hautcreme Max Factor. Karton 90 cm x 68 cm

Reklame für Hautcreme Max Factor

Karton 90 cm x 68 cm

August Hahn, Friseursalon, Lenbachstraße 24

 

 

Reklame für Opel-Fahrräder

Geprägtes Blech 74 cm x 51 cm, 1911

Josef Schoirer, Fahrradhandel, Lenbachplatz 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reklame der Brauerei Kühbach

Emailschild Durchmesser 55 cm, um 1958

Stieglbräu, Lenbachplatz 2

 

Reklame der Post-Brauerei, Lenbachplatz 9

Emailschild 49 cm x 42 cm

Es wurde bis 1949 verwendet

 

Plakat für Post-Caffee, um 1890

71 cm x 35 cm

Delikatessenhandlung Martin Steichele, Lenbachplatz 15

 

Reklame für Kaiser´s Brust-Caramellen

Emailschild 200 cm x 59 cm, Anfang der 20er Jahre

Drogerie Geiger, Lenbachstraße 56

 

Reklame für Lipton´s Tee

Emailschild 180 cm x 31 cm, um 1920

Drogerie Geiger, Lenbachstraße 56

 

 




Schrobenhausen auf alten Landkarten

Alte historische Landkarten haben einen ganz eigenen Reiz. Jahrhunderte lang waren sie in Bibliotheken verschlossen oder in Form von Drucken nur wenigen zugänglich. Im Zeitalter der Digitalisierung können immer mehr dieser Karten zugänglich gemacht werden. Wir beginnen deshalb, einige dieser Karten zu präsentieren, die unsere Region zeigen – entweder als eigenen Scan oder in Form einer Verlinkung.

Der Forscher hat vielfältige Möglichkeiten der Auswertung. Wir als ortsgeschichtlich Interessierte schauen nach, was dem Kartenersteller wichtig war, welche Städte und Orte er aufnahm. Kleine Ortsansichten springen uns an, auch wenn wir wissen, dass diese Miniaturen wohl eben nicht reales Abbild der Wirklichkeit sind. Wir werden diese kleine Sammlung im Lauf der Zeit erweitern.

Über jeden Kartographen gibt es bereits umfangreiche Literatur. Einen ersten Einblick gibt nicht nur Wikipedia, wir empfehlen Recherchen auch in „bavarikon“, dem Portal zu den Kultur- und Wissensschätzen Bayerns (www.bavarikon.de).

Texte & Zusammenstellung: MD.

 

1501 – Etzlaub

Die älteste Landkarte, auf der Schrobenhausen zu finden ist – eine Karte von Erhard Etzlaub aus dem Jahr 1501. Hier ein kleiner Ausschnitt der Karte, die von Dänemark bis Italien reicht. Die Karte ist „gesüdet“, das heißt Italien liegt oben, Dänemark unten. Ungewöhnlich, dass die Stadt Neuburg fehlt. Denkbar wäre, dass Schrobenhausen wegen der alten Reichsstraße von Regensburg nach Augsburg aufgenommen wurde.  Ein hochwertiges Digitalisat der gesamten Karte befindet sich in der Harvard Map Collection der Harvard University und kann hier angesehen und heruntergeladen werden.

 

1568 – Apian

Philipp Apian (1531-1589) – Ausschnitt aus Blatt 13 seiner „Bayrischen Landtafeln“ aus dem Jahr 1568. Der in Ingolstadt geborene und an der dortigen Universität Mathematik lehrende Apian wurde 1554 von Herzog Albrecht beauftragt, eine genaue Karte von Bayern anzufertigen. Das Ergebnis dieser Landesaufnahme bildete eine „große Karte“ mit einer Größe von rund 30 Quadratmetern. Auf Wunsch des Herzogs entstanden 24 kleinformatige Landtafeln, die in der Werkstatt von Jost Amann in Holz geschnitten und im Jahr 1568 im Druck erschienen. Die Stadt Schrobenhausen wird bildhaft dargestellt, mit Stadtmauer, Türmen, Kirche, Häusern, den Flüssen Paar und Weilach und einer Paarbrücke.

 

 

1790 – Reilly

Johann Joseph von Reilly (1766-1820), geboren und gestorben in Wien, war Verleger und Schriftsteller, bekannt wurde er aber vor allem als Kartograph. In verschiedenen kartographischen Großwerken bzw. Bänden stellt er in mehreren hundert Blättern vor allem Europa dar. Der nebenstehende Ausschnitt stammt aus dem Blatt „Des Herzogthums Oberbayern Pfleggerichte Dachau, Crantsperg, Pfaffenhofen, Mainburg, Neustadt, Abensperg, (…) Ingolstadt, Schrobenhausen (…) oder des Rentamts München nördlicher Theil“. Die Karte ist undatiert und entstand wohl um 1790 (genauere Datierung ist angestrebt). Besonders klar dargestellt sind hier vor allem die Grenzen des alten Pfleggerichts Schrobenhausen.

 

 

1805 – Riedl 

Karte aus dem „Reise Atlas von Bajern“ des Münchner Kartographen Adrian von Riedl (1746-1809). Der aus einer Kartographenfamilie stammende Riedl wurde bereits 1766 zum Landgeometer ernannt und 1769 mit der Dokumentation des bayerischen Straßennetzes beauftragt. Seit 1790 Direktor der Straßen- und Wasserbauverwaltung, hat er sich auch um die Trockenlegung des Donaumooses verdient gemacht. Die nebenstehende Karte stammt aus seinem „Reise-Atlas“, der im Zeitraum von 1796 bis 1805 entstand und der auf 66 Karten alle bayerischen Haupt- und Landstraßen und die wichtigsten anliegenden Orte darstellt. Datiert wird die Karte auf das Jahr 1805. Riedl war außerdem Herausgeber von rund 400 handgezeichneten Landkarten und Plänen, darunter auch des auf 1792 datierten „Plans der unter der Cultur stehenden churfürstlichen Schrobenhausener oder Donauer Lehen Mooses“.




Schrobenhausen – eine kurze Stadtgeschichte

 

Schrobenhausen kann auf eine über 1200-jährige schriftliche Überlieferung zurückblicken. Neuere archäologische Erkenntnisse zeigen jedoch, dass schon Römer im Altstadtbereich gesiedelt haben.

Um 200

Im zweiten Jahrhundert nach Christus ist südlich der Stadtpfarrkirche St. Jakob eine „villa rustica“ nachgewiesen, ein römischer Gutshof. Spätestens seit dem Einfall der Alemannen scheint die kleine Ansiedlung jedoch wieder aufgegeben worden sein.

Um 790

Schrobenhausen wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Um 790 schenkt ein gewisser Adalo seinen Grundbesitz zu „scropinhusun“ der Domkirche von Freising. Der Ortsname wird als „zu den Häusern des Scropo“ gedeutet. Als um das Jahr 887 Bischof Waldo den Besitz der Bischofskirche in Schrobenhausen gegen Besitzungen des Grafen Jezo in Jetzendorf vertauscht, wird zum ersten Mal eine Kirche erwähnt. Danach taucht Schrobenhausen in den überlieferten Quellen über zwei Jahrhunderte nicht mehr auf.

1310

Im zwölften Jahrhundert ist Schrobenhausen Sitz eines lokalen Edelgeschlechts, der Marschalken von Schrobenhausen. In einem Teilungsvertrag der Wittelsbacher Herzöge Rudolf und Ludwig IV. aus dem Jahr 1310 wird der um eine Burganlage gewachsene Ort zum ersten Mal als Markt bezeichnet. Aus dem Jahr 1328 ist das erste Marktsiegel überliefert, den Bärenkopf finden wir noch heute im Stadtwappen. Im Jahr 1333 gewährt Kaiser Ludwig der Bayer dem Markt eine gewisse Autonomie vom Landgericht Aichach, ein Satzungsrecht in bürgerlichen Angelegenheiten und ein eigenes Maß und Gewicht.

1388

Die Aufwärtsentwicklung wird jäh unterbrochen: Schrobenhausen wird im Bayerischen Städtekrieg fast völlig niedergebrannt. Die Landesherrn, die Interesse an der Entwicklung der Städte und Märkte hatten, weil diese den wirtschaftlichen Aufschwung förderten und damit das Steueraufkommen erhöhten, befreiten Schrobenhausen daher 20 Jahre von der Steuer, um den Wiederaufbau zu fördern.

1392

Bei einer erneuten Teilung Bayerns kommt Schrobenhausen zum Herzogtum Bayern-Ingolstadt. In den wenigen Jahrzehnten, in denen dieses Herzogtum bestand, wurden die entscheidenden Weichen für die Zukunft Schrobenhausens gestellt. Umfangreiche Privilegien (Salz- und Weinniederlage, Pflasterzoll, Getränkesteuer) schufen wichtige finanzielle Grundvoraussetzungen für Schrobenhausens Aufstieg.

1414

Mit dem Wiederaufbau wird auch das befestigte Stadtgebiet vergrößert und mit dem Bau einer steinernen Stadtmauer begonnen. Der Stadtwall, die Stadtmauer und die Stadtgräben zeugen noch vom großen Befestigungswerk des 15. Jahrhunderts. Herzog Ludwig der Bärtige ließ zum Andenken an den Bau der Stadtbefestigung einen Gedenkstein fertigen, der sich heute im Eingangsbereich der Stadtpfarrkirche St. Jakob befindet.

1421

Schrobenhausen löst sich aus dem Gericht Aichach und bildet nun ein eigenständiges Gericht Schrobenhausen, das über Jahrhunderte als eigenständige Gerichts- und Verwaltungseinheit von Bedeutung ist: zuerst als Pfleg-, dann als Landgericht, ab 1861 als Bezirksamt und schließlich als Landkreis. Spätestens seit Mitte des 15. Jahrhunderts bestand in Schrobenhausen ein eigenes Mooslehengericht. Es übte die Gerichtsbarkeit über das gesamte Donaumoos aus, das deshalb in den alten Urkunden oft „Schrobenhausener Moos“ genannt wid.

1447

Herzog Heinrich der Reiche von Landshut besetzt das Ingolstädter Herzogtum, Schrobenhausen kommt zum Herzotum Bayern-Landshut. Der Herzog bestätigt den Schrobenhausenern am 27. Juni 1447 ihre althergebrachten Rechte. In dieser Urkunde trägt Schrobenhausen zum ersten Mal die Bezeichnung „Stadt“ .

17. und 18. Jahrhundert

Schrobenhausen wird von mehreren Kriegen heimgesucht, doch nicht zerstört. Seuchen und Verwüstungen auf dem Land führen jedoch zum Teil zu erheblichem Bevölkerungsrückgang, Plünderungen und hohe Kontributionen behindern die wirtschaftliche Weiterentwicklung.

1806

Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation entsteht 1806 das Königreich Bayern, Schrobenhausen wird „königlich-bayerische Stadt“ mit magistratischer Verfassung. Die Neueinteilung nach Verwaltungsbezirken brachte Schrobenhausen im Jahr 1808 zum Lechkreis, 1810 zum Isarkreis mit der Hauptstadt München, 1817 zum Oberdonaukreis mit der Hauptstadt Augsburg und 1837 schließlich zu Oberbayern.

19. Jahrhundert

Die Stadt wurde Jahrhunderte lang geprägt von kleinen Handwerks- und Gewerbebetrieben, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnt die Industrialisierung – deutlich früher und stärker ausgeprägt als in vielen anderen bayerischen Kleinstädten. Georg Leinfelder baut die von seinem Vater übernommene traditionsreiche Papiermühle um und installiert im Jahr 1869 die erste gewerblich genutzte Dampfmaschine in Schrobenhausen. Daneben erringt die aus einer Knopf- und Hartfasswarenfabrik entstandene „Devotionalienfabrik“ Poellath auf der Weltausstellung in Wien bereits im Jahr 1873 internationale Auszeichnungen. Die Eröffnung der Paartalbahn im Jahr 1875 förderte die wirtschaftliche Entwicklung. Weitere Industriebetriebe entstehen, so ein größeres Dampfsägewerk, eine kleine Kork- und eine Möbelfabrik.

1900

Die gewerbliche Entwicklung schlägt sich auch im Wachstum der Bevölkerung nieder. Die Bevölkerung in Deutschland nimmt während der Industrialisierung stark zu, viele Menschen wandern von kleinen Gemeinden in die Städte und Großstädte ab. Schrobenhausens Bevölkerungszunahme verläuft etwa im gleichen Tempo wie im Deutschen Reich: Von 1.840 Einwohnern im Jahr 1840 konnte die Stadt die Einwohnerzahl bis 1900 etwa verdoppeln und bis 1939 verdreifachen.

1946

Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte für Schrobenhausen einen enormen Bevölkerungszustrom durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene: Die Bevölkerung wächst auf über 8.000 Einwohner, um mehr als 50 % Prozent gegenüber 1939. Die Folge ist eine bis dahin nicht gekannte Ausweitung des Stadtgebiets, die schließlich auch zum Zusammenwachsen der Orte Schrobenhausen, Mühlried und Steingriff führt.

1950

Neue Industriebetriebe entstehen. Im Jahr 1938 war die Kartoffelflocken- und Stärkefabrik (heute „Südstärke“) als wichtiger neuer Industriebetrieb gegründet worden, 1948 eine Photochemische Fabrik (heute „Agfa“). Im Jahr 1958 siedelt sich Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB, heute Tochtergesellschaften der EADS) an, 1960 die Firma Ytong. Seit den fünfziger Jahren schließlich entwickelt sich die Firma Bauer, hervorgegangen aus einer Kupferschmiede, mit der Erfindung des Beton-Injektionsankers in kurzer Zeit zur Weltfirma und ist heute mit weltweit 4.000 Beschäftigen mit Abstand die größte Firma im Landkreis.

1972

Die lange diskutierte Gebietsreform bringt für Schrobenhausen mehrere tiefgreifende Einschnitte. Die bis dahin eigenständigen Landkreise Neuburg und Schrobenhausen werden zum Landkreis Neuburg-Schrobenhausen zusammengelegt, Schrobenhausen verliert den Hauptsitz von mehreren Behörden. Doch ist auf der anderen Seite mit den Eingemeindungen von Steingriff (1971), Hörzhausen (1971), Sandizell (1972) sowie Mühlried mit Edelshausen (1978) ein enormer Bevölkerungszuwachs verbunden – ein Zuwachs auf 15.000 Einwohner und damit von über 60 Prozent in weniger als 10 Jahren.

 

Steingriff

um 1190 zum ersten Mal urkundlich erwähnt – verdankt seinen Namen der alten Flurbezeichnung „steinin gruft“, was mit steinige Vertiefung übersetzt wird. Es war jahrhundertelang Sitz einer kleinen Hofmark, das Schloss wurde Anfang der 50er Jahre in ein Altenheim umgebaut. Seit der Jahrhundertwende hatte die wirtschaftliche Verflechtung mit der Stadt ständig zugenommen.

 

Hörzhausen

kann auf eine 1100-jährige Vergangenheit zurückblicken. Es wird bereits um 890 als Heridioshusun erwähnt, was „zu den Häusern des Herideo“ übersetzt wird. Hörzhausen war im Mittelalter Sitz einer ausgedehnten Grafschaft mit dem Gebietsschwerpunkt zwischen Aichach und Schrobenhausen, seit dem 16. Jahrhundert Edelsitz.

 

Mit Sandizell

verbindet sich der Name eines Adelsgeschlechts, das sich bis tief ins Mittelalter zurückverfolgen lässt und so zu den ältesten Bayerns gehört. Sandizell war eine bedeutende Hofmark, kann ein prächtiges Wasserschloss vorweisen und besitzt eine der schönsten Dorfkirchen Altbayerns, dessen Altar vom berühmten bayerischen Bildhauer Egid Qurin Asam gestaltet wurde.

 

Mühlried

benannt nach den seit dem 11. Jahrhundert nachgewiesenen Paarmühlen – kann von allen Ortsteilen die stürmischste Bevölkerungsentwicklung aufweisen: Es konnte seine Einwohnerzahl von 434 im Jahr 1840 auf 3.500 heute verachtfachen. Auch Mühlried hatte seit der Jahrhundertwende, verstärkt nach 1945, eine enge Beziehung zur Stadt entwickelt.

 

Edelshausen

wird bereits um 790 als Zetileshusun urkundlich erwähnt, wobei ein Adliger names Zetil als Namensgeber des Ortes auftaucht. Auch Edelshausen war Jahrhunderte lang Sitz einer Hofmark, die seit dem 15. Jahrhundert einer Sandizeller Seitenlinie gehörte und im 18. Jahrhundert wieder zum Stammhaus Sandizell zurückfiel. In Edelshausen stand ursprünglich ein Schloss, heute erinnert der Gutshof Egle noch an den Sandizeller Gutskomplex.

 

Schrobenhausen heute

Mittelzentrum mit knapp 17.000 Einwohnern, Mittelpunkt des bekanntesten bayerischen Spargelanbaugebiets, industriell leistungsfähig mit zahlreichen überregional und international tätigen Industriefirmen wie Leinfelder, Poellath, Bauer, MBDA, Südstärke, Ytong oder Agfa.

Max Direktor




Der Europäische Oxenweg oder „Wildwest in Mitteleuropa“

Die Vorstellung vermittelt ein Flair von Wildem Westen: Zwischen 1350 und 1750 wurden jährlich bis zu 200.000 Grauochsen aus der ungarischen Tiefebene nach Mitteleuropa getrieben, um den Fleischhunger der Bürger in den aufstrebenden Städten zu stillen. Die Herden umfassten meist zwischen 50 und 200 Tiere und mussten bis zu ihrem Ziel oft 1.000 Kilometer zurücklegen. Wichtige Ziele in Süddeutschland waren Nürnberg und Augsburg, die damals zu den bedeutendsten Handelsstädten Europas zählten. Ein wichtiger Triebweg führte auch durch das Schrobenhausener Land.

Gefördert durch Mittel der EU haben Leader-Aktionsgruppen in Ungarn, Österreich und Bayern diese alten Kulturwege wieder ins Gedächtnis gerufen und touristisch erschlossen. In Bayern beteiligte sich auch die regionale LEADER-Aktionsgruppe Altbayerisches Donaumoos.

Der Filmemacher Axel Mölkner-Kappl hat einen Film über das Thema zusammengestellt, in dem auch die am LEADER-Projekt beteiligten Regionen vorgestellt werden, darunter auch das Schrobenhausener Land.

Die Schreibweise „Oxen“ orientiert sich an der in historischen Quellen üblichen Schreibweise. Sie soll zugleich eine Verwechslung mit dem „Ochsenweg“ in Schleswig-Holstein und Dänemark vermeiden.

Weitere Beiträge über den Oxenweg werden im Lauf der Zeit folgen.

Axel Mölkner-Kappl lebt in Neuburg, arbeitet auch für den Bayerischen Rundfunk und nicht selten über Themen aus unserem Landkreis. Näheres über sein umfangreiches Schaffen erfahren Sie auf seiner Homepage. 

 

Den Film jetzt ansehen




Schrobenhausener Geschichte – auf einen Blick

Schrobenhausener Geschichte – die wichtigsten Daten 

um 200 Eine römische „villa rustica“ nachgewiesen
790-794 Als „scropinhusun“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt
1131 Ein Edelgeschlecht derer von Schrobenhausen nachgewiesen
1310 Schrobenhausen besitzt das Marktrecht
1333 Privilegien Kaiser Ludwigs des Bayern
1388 Schrobenhausen wird im Städtekrieg weitgehend zerstört
1392 Die Herzöge von Bayern-lngolstadt fördern den Wiederaufbau
1414 Die Stadtmauer entsteht
1421  Schrobenhausen ist Sitz eines Landgerichts.
1447 Schrobenhausen wird zum ersten Mal als Stadt bezeichnet und gehört nun zum Herzogtum Bayem-Landshut.
1506 Schrobenhausen wird Teil des Herzogtums und späteren Kurfürstentums Bayern
1632 Schwedenkönig Gustav Adolph besetzt Schrobenhausen
1704 Seilermeister Neugschwendner rettet die Stadt
 1836 Franz von Lenbach wird geboren, einer der bedeutendsten
deutschen Porträtmaler des ausgehenden 19. Jahrhunderts
1837 Schrobenhausen kommt zu Oberbayern
1840 Schrobenhausen zählt 1.884 Einwohner.
1900 Schrobenhausen besitzt mehrere Industriebetriebe (Papierfabrik Leinfelder, Dampfsagewerk Prücklmair, Prägewerk Carl Poellath).
1913 Christian Schadt beginnt mit dem feldmäßigen Spargelanbau auf seinem Hof in Wangen
1937  Eröffnung des Lenbachmuseums
1939 Schrobenhausen zählt 5.193 Einwohner
1950 Zustrom von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, die Einwohnerzahl wächst sprunghaft auf 7.966
nach 1950 Ausdehnung des Stadtgebiets, zahlreiche neue Industriebetriebe
1971-1978 Gemeindegebietsreform: Eingemeindungen von Steingriff (1971),
Hörzhausen (1972). Sandizell (1972) sowie Mühlried mit Edelshausen (1978).
1972 Landkreisgebietsreform: Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen wird gebildet, Schrobenhausen ist nicht mehr „Kreisstadt“
1991 Eröffnung des Europäischen Spargelmuseums
2002 Eröffnung des Stadtmuseums mit Galerie im ehemaligen
herzoglichen Pflegschloss
2020 Schrobenhausen zählt 17.381 Einwohner
© 2022 Max Direktor.